Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Grundzüge der Aggada des Flavius Josephus
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
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Grundzüg־e der. Aggada des Flavius Josephus 239 Sein Ahnenstolz äußert sich bei der Verherrlichung Arons, Pinchas’s, der Opferfreudigkeit der Priester zur Zeit Davids, darin, wie er die Priester König Joads gegen den Verdacht der Veruntreuung in Schutz nimmt (IX. VIII. 2 § 165). Liebevoll vertieft er sich in die Gesetze der Priesterehe, der Priesterweihe, der Opfer, in die Geschichte der Priesterfamilien Eleazar, Ithamar, Eli, Zadok, Ebiathar. Stolz bekennt er: Wer das Priesterkleid trägt, muß in jeder Hinsicht rein sein (III. XII. 2 § 279). Die Aboda des Versöhnungstages schildert er wohl nach der Erinnerung, nach eigenem Erleben (S. Weill zu III. X. 3). Persönliche Erinnerungen werden auch sonst in Josephus wach. Wie er von der Frau Lots erzählt, sie sei zur Salzzäule Verwandelt, fügt er hinzu, er selbst habe diese Salzsäule gesehen. Salomos Macht über die Geister veranschaulicht er durch eigene Erfahrung: Er selbst war Zeuge, wie der Thaumaturg Eleazar vor Vespasian, vor den Tribunen, vor dem Heere die bösen Geister aus dem Besessenen austrieb, mittels eines salomonischen Wunderkrautes, im Namen Salomos (VIII. II. 5 § 46—49). Eine Rejection von Selbsterlebtem ist vielleicht auch in der Darstellung von Kyros Verhalten zum Judentum zu sehen. Kyros liest in der Bibel, der Prophet Jesaia habe ihn mit Namen genannt, habe von ihm verkündet, er werde den Tempel Gottes in Jerusalem wieder aufrichten. Ergriffen von dieser Voraus- Verkündigung, gewährt er den Juden die Freiheit, das Recht, den Tempel zu erbauen (XI. I. 1). Bekanntlich erzählt Josephus, er habe die Gunst Vespasians dadurch erworben, daß er ihm verkündete, er, Vespasian, wie sein anwesender Sohn Titus werden den Thron der römischen Kaiser besteigen (Bellum. III. VIII, 9). Die Aggada berichtet, mit derselben Voraus Verkündigung habe Jochanan b. Zakkai Gnade und Erhörung bei Vespasian gefunden (S. MGWJ. 1933. LXXVII. 433). Josephus schildert nun, wie auch schon Kyros empfanglieh war für ähnlich schmeichelhafte Voraus Verkündigung. II. Oberzeitliches. Josephus, wie die Aggada, erklärt die biblische Vergangenheit aus der eigenen Gegenwart: Die Zeitgeschichte wird in die Bibel rejiziert, die biblische Geschichte in die talmudische Zeit