Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Grundzüge der Aggada des Flavius Josephus
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 Bernhard Heller erklärt* Beiden gemeinsam!ist äuph: das Streben, das Jiidentum zu verklären. Hier aber sind die Unterschiede schon schärfer hervorzuheben: Aggada, Talmud, sowie Midrasch sind für jüdische Leser bestimmt, betrachten das Judentum von innen — die Alexandriner wenden sich an Hellenisten, ob Juden oder Nichtjuden. Sie betrachten das Judentum auch von außen. Josephus gehört durch seine Erziehung zu den Aggä״ disten. Er brüstet sich damit, daß seine Glaubensgenossen seine Überlegenheit in jüdischem Wissen anerkennen (Ant. XX; XII § 263). Nicht nur als Jude, sondern als Kohen ist er auf״ gewachsen und hat dieses priesterliche Stammes״ und Standes״ bewußtsein bewahrt. Doch er spricht zu nicht jüdischen Römern. Zum tieferen Verständnis der Aggada bei Josephus liegen uns wertvolle Arbeiten vor. Von diesen heben sich durch ihre Bedeutung hervor: 1. Julien Weills Übersetzung und Erläute״ rung der zehn ersten Bücher der Archäologie. 2. Louis Ginz״ bergs Legends of the Jews. (S. dazu Heller in JQR. N. S. XXIV. 1933, 175—184.) 3. Salomo Rappaport, Agada und Exegese bei Flavius Josephus. Wien 1930, eine Arbeit, die alle Vorzüge der Schule Aptowitzers vereinigt. Hier soll nun per summos apices die Eigenartigkeit dieser Aggada gestreift werden: I. Persönliches, II. Überzeitliches, III. Tendenz. 1. Persönliches. Das Eigenartige des Priesters kommt bei Josephus öfter und stärker zum Ausdruck als z. B. in der Aggada R. Ismaels oder R. Tarfons. Rappaport (XXXIV.) trotz der Fülle von Be״ weisen, die er selbst für Zuneigung zum Priesterlichen anführt, spricht ihm dennoch priesterfreundliche Tendenz ab und meint, Josephus habe aus einer priesterfreundlichen Quelle geschöpft. Ein derartiges Werk mag ihm Vorgelegen haben (ich halte es nicht für wahrscheinlich), aber die Vorliebe zum Priestertum wurzelt in seiner Erziehung, seinem Standesbewußtsein, seinem Ahnenstolz. Wie tief ihm der Kohen in den Gliedern steckt, ist z. B. daraus ersichtlich, daß er Jesaia zur Abwendung der assyrischen Gefahr beten und opf ern läßt (Arch. X. I. 3, § 12). Jesaia will Gott mit Opfern versöhnen!