Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zwei schwierige Mischnajot
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830019-2840102--54065-2840187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
234 Samuel Ochs gemeint habe, sondern einen Knochen5, den er extra zu diesem Zwecke aufbewahrt hat. Daran anschließend heißt es: על־ מלן אין נשאלין להם ואם נשאלויעונשין אותן ומחמירין עליהן דברי ר' מאיר. Alle Kommen״ tare beziehen נשאלין auf die Gelobenden und erklären danach folgendermaßen: ״In allen erwähnten Fällen brauchen die Ge״ lobenden keine Auflösung bei einem Gelehrten (חכם) nachzusuchen; haben sie es aber getan; dann bestraft man sie und legt ihnen besondere Erschwerungen auf/' In tiefer Verehrung beugen wir unser Haupt vor der Größe dieser Erklärer, aber umso ehrlicher und tiefer ist unser Staunen dieser Deutung gegenüber. Wir begreifen es einfach nicht, wie sie das Unlogische dieser Erklärung übersehen konnten. Wenn man bei dieser Art von Gelöbnissen gar keine Auflösung nachzusuchen braucht, weil6 die nachträglich gegebene Deutung ausschlaggebend ist, warum sollen dann diejenigen bestraft werden, denen diese Bestimmung unbekannt ist, und die sich darum an einen וכם wenden? Wie kann die halach. Situation durch das Befragen eines Gelehrten eine Änderung erfahren? Ferner, ergibt sich nicht aus dieser. Entscheidung eine große Gefahr für das religiöse Leben überhaupt? Wenn die Menschen nämlich erfahren werden, daß in bestimmten religiösen Angelegenheiten durch Befragen eines חכם die Lage für sie sich noch verschlimmert, werden sie das Fragen unterlassen, und — um unser Gebiet als Beispiel zu gebrauchen — ihre Gelöbnisse, eigenmächtig auflösen. Die Gemara nimmt zwar kurz Stellung zu dem Widerspruch zwischen אין נש^לין urid ואם נשאלו; die von ihr aber gegebene Lösung macht den Sinn der Mischna nicht klarer. Raw Jehuda sucht nämlich den Widerspruch dadurch zu beseitigen, daß er den ersten ־ Satz ועל כולם אין נשאלין auf denrrn bezieht, während der zweite Satz ואם נשאלו nur vom עם הארץ gelten soll. Abgesehen davon, daß diese Erklärung das einheitliche Satzgefüge sachlich aüseinanderreißt und Begriffe einschaltet, von denen sich doch in der Mischna nicht die leiseste Andeutung findet, sind noch folgende Schwierigkeiten zu er- 5 עצם hat bekanntlich die Bedeutung von Knochen und — abgeleitet — von;,ipse“ mit Suffix. : ־ 6 S. Rasch! z. St. 7 Ned. 28a; Kidd 49b; Mella 21a.