Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Bedeutung der Tradition für die halachische Bibelexegese bei Maimonides
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 3)
- Language
- German
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208 Michael Guttmann hoch muh die Gesamtzahl gewesen sein? Angesichts dieses Tatbestandes ist das Tarjag״Mizwot״Prinzip in der Fassung Maimunis nur dann haltbar,, wenn es von den hermeneu״ tischen Regeln unabhängig gemacht wird. Maimuni geht so weit/ zu behaupten, daß rein hermeneutisch gefolgerte Bestim״ mungen auch dann nicht in die Kategorie der Tora bestim״ mungen eingereiht werden können, wenn sie von Mose selbst stammen. Folgerungen gehören eben nicht zur Grundzahl der Toragebote. Das ist freilich in der Hauptsache nur eine Kate״ gorienfrage, da ja auch die gefolgerten Gesetzesbestimmungen Pflichtcharakter haben, doch gehören sie nicht zur Kategorie der Tarjag-Mizwot. Bisher ist der Gedankengang klar und folgerichtig. Mai״ muni bleibt aber dabei nicht stehen. Ohne Hermeneutik lassen sich nämlich auch die Tarjag-Mizwot nicht aufbauen. Er sieht sich daher veranlaßt, auch auf die Folgerungen näher einzu״ gehen, und findet einen einschneidenden Unterschied darin, daß im Talmud manche hermeneutisch gewonnenen Sätze als Tora״ sätze bezeichnet werden; solche Ausdrücke sind מדאורייתא, נוף תורה, מן התורה• Für solche Sätze vindiziert also die Tradition selbst den ״ מן התורהCharakter. Maimuni geht hierin noch einen Schritt weiter, indem er über die bereits erwähnten Aus״ drücke hinaus auch solche Exegesen als ursprüngliche Sinn״ gebung hinnimmt, die kontroversfrei sind. Eine ähnliche Vor״ aussetzung findet sich bei Maimonides auch in Ansehung der ״sinaitischen Halachasätze“. Bevor wir auf Einzelfälle übergehen, mag hier noch voraus״ geschickt werden, daß das eben erwähnte Scheidungsprinzip innerhalb derselben Folgerungsvorgänge nicht nur für die Regeln Hillels und R. Ismaels seine Geltung hat, sondern auch für alle anderen Folgerungsmethoden besteht, also auch für das רבוי und מיעוט, das bei R. Akiba einen hervorragenden Platz ein״ nimmt, ja sogar auch für den הקש, der bekanntlich die beste hermeneutische Regel darstellt, indem er Anfechtungen am wenigsten .ausgesetzt ist. Man vgl. die Regel אין משיבין על הקיישא B. K. 63b. Das Scheidungsprinzip besteht ferner zu einem guten Teil auch für die außerhermeneutische engere Traditions״