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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 207

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Die Bedeutung der Tradition für die halachische Bibelexegese bei Maimonides
Date
1936-01-01
Page
Seite 207 (sequence 2)
Language
German
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Die Bedeutung d. Tradition f. d. halach. Bibelexegese bei Maimonides 207 sich um schriftgebotene Gesetze handelt, ist der volle Gesetzesinhalt aus dem knappen Schriftwort allein kaum ermittelbar. Die Tradition bietet daher auch hier sehr wichtige Stützpunkte. Für Maimonides gewinnt hier die Tradition noch eine weitere Bedeutung. Er vertritt die Anschauung, daß die halachische Hermeneutik kein rein exegetisches .Erklärungsprinzip sei. Damit ist zunächst gesagt, daß hermeneutisch gefolgerte Gesetzesbestimmungen nicht schlechtweg als textgegeben anzusehen sind. Die Middot leisten eben keine streng philologischen Dienste; sie sind nicht die Mittel, durch die der implizite Sinn des Textwortes auf primärem Wege erschlossen wird; sie kommen bloß als sekundäre Stützpunkte in Frage. Man vgl. Sefer Ha-mizwot (= SH) Grundsatz II (in der arab. Ed. von Bloch S. 12 ff.). Was Maimonides zu dieser extremen Stellungnahme geführt hat, war das Tarjag-Mizwot-Prqblem. In dem Ausspruch des R, Simlai (Makk. 23b f.), wonach das ganze Toragesetz zusammen aus 613 Ge- und Verboten besteht,, erblickte Maimonides, im Gegensatz zu Nachmanides und anderen, eine feste, unverrückbare Urtradition für die Zahl der Toravorschriften. Da sich nun aber in den talmudischen Quellenwerken nirgends eine taxtative Aufzählung der 613 Vorschriften findet und da ferner Maimonides in der dem Halachot Gedolot vorauf gehenden Auf- Zahlung keine Traditionsquelle sieht, sondern den mißlungenen Versuch des Verfassers des Halachot Gedolot, fühlte er sich veranlaßt, das ganze Problem von neuem aufzurollen und Grundsätze zu suchen, nach denen die ursprünglichen 613 Gebote mit möglichster Sicherheit rekonstruierbar wären. Das führte ihn nun zwangsweise zu der Annahme, daß die hermeneutischen Regeln trotz ihrer Urgegebenheit — sie waren ja schon zur Zeit Moses vorhanden — kein primäres Instrument für die Sinnermittelüng des Schriftwortes sein können, weil sich das mit der festen Gebotszahl 613 nicht verträgt. Schon in den 30 Trauertagen, die auf den Tod Moses folgten, sind nach einer Tradition (Tem. 16a) 1700 hermeneutische Folgerungen in Vergessenheit geraten, die dann auf diskutivem Wege wiedergefunden wurden. Wenn nun — so meint Maim. (SH S. 14) — die Zahl der v e r g e s s e n e n Folgerungen so hoch war, wie

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