Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vom Sinn des Seins
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 11)
- Language
- German
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194 Albert Lewkowitz in die Einsamkeit des Selbst״seins kein Strahl der Idee sittlichen Seins dringt; sei es im Sinne der Erkenntnis des Gesetzes der sittlichen Vernunft (Kant) oder der emotionalen Werterkenntnis (Scheler), durch welche die Erneuerung des Selbst-seins seine sittliche Bestimmtheit erhält. Das Wissen bedeutet Heidegger nicht;,die beruhigte Kenntnisnahme von Wesenheiten und Werten an sich, sondern die schärfste Gefährdung des Daseins inmitten der Übermacht des Seienden. Die Fragwürdigkeit des Seins überhaupt zwingt dem Volk Arbeit und Kampf ab und zwingt es in seinen Staat, dem die Berufe zugehören". (Hei״ degger: Die Selbstbehauptung der deutschen Universität, S. 17.) So bleibt als einziger Gehalt des Selbstseins die Erinnerung und Wiederholung des geschichtlichen.Seins in der Bejahung des geschichtlichen Schicksals als Grundlage des Selbst. Heroischer Nationalismus, ״das mithandelnde Wissen um das Volk" ist für Heidegger des Lebens letzter Sinn. Diese Absperrung gegen das Reich der Werte und seine transzendente Wurzel in Gott droht den Nationalismus und die Bejahung des geschichtlichen Schicksals zu naturalisieren und Freiheit des Selbst״seins zum Amor fati herabzustimmen. Sind wir nicht wieder in die Nähe von Nietzsches produktivem Nihilismus gelangt? Zwischen Kierkegaards Theologie der Krisis und Nietzsches produktivem Nihilismus sucht H e i d e g g e r eine phänomenologische Analyse der menschlichen Existenz zu gewinnen, die zur sinnvollen Freiheit menschlichen Seins führen soll. Ohne ein Reich der Werte aber, auf welches mensch״ liches Sein bezogen wird in aller Konkretheit der Werte und der menschlichen Existenz, bleibt menschliches Sein im Dunklen. So müssen wir auch Heidegger gegenüber nicht minder wie gegen Nietzsche und Kierkegaard die Notwendigkeit der Aner״ kennung des G e i s t e s als des Organs der Werterkenntnis betonen. Nicht im Sinne eines von der Wirklichkeit losgelösten Intellektualismus, wohl aber in der konkreten Wesenhaftigkeit eines von sittlichen Ideen erleuchteten und sie verwirklichenden geistigen Lebens. ״Eine Leuchte Gottes ist der Geist des Men״ sehen!" (Spr 20, 27). ״Und wie der Midrasch sich die Patriarchen gar nicht vor״ steilen kann ohne ,Lehrhäuser, so gilt allen Religionsphilo״