Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vom Sinn des Seins
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830019-2840098--54029-2840155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 Albert Lewkowitz fassen will, so bekennt sich Heidegger zur Methode der Phänomenologie als der Methode, entgegen allen freischwebenden Konstruktionen, zufälligen Funden, entgegen der Übernähme von nur scheinbar ausgewiesenen Begriffen ״zu den Sachen selbst" vorzudringen. ״Wenn die folgende Untersuchung einige Schritte vorwärtsgeht in der Erschließung der Sachen selbst, so dankt das der Verfasser in erster Linie E. H u s s e r 1, der dem Verfasser während seiner Freiburger Lehrjahre durch eindringliche persönliche Leitung und durch freieste Überlassung unveröffentlichter Untersuchungen mit den verschiedensten Gebieten der phänomenologischen Forschung vertraut machtew" (Heidegger: Sein und Zeit S. 38). So charakterisiert Heidegger selbst sein Verhältnis zu Husserl, dem er sein Werk ״Sein und Zeit" zueignet. Gleichwohl besteht ein prinzipieller Unterschied zwischen der Methode Husserls und Heideggers. Husserl ist der Analyse der Wissenschaft zugewandt, die er nicht wie Kant aus der Spontaneität der Erkenntnis abzuleiten sucht, sondern auf die Intuition in die Struktur der Erkenntnisobjekte, der Wesenheiten begründet. Die Kategorien der Wissenschaft sind insofern wahr, als sie Wesensgesetze der idealen Erkenntnisgegenstände erfassen und ausdrücken. Heideggers Erkenntnisgegenstand ist der Mensch in seiner Existenz. Das Wesen menschlicher Existenz soll phänomenologisch erfaßt werden, während für Husserl alle Existenz eingeklammert und das reine Wesen der Erkenntnisgegenstände zu erschauen Aufgabe der phänomenologischen Forschung ist. Diese Verschiedenheit des Erkenntnisobjekts bedeutet naturgemäß eine bedeutsame inhaltliche Verschiedenheit der Philosophie beider Denker. Während Husserl in der Sphäre der Erkenntnistheorie bleibt, in der Analyse der Wesensgesetze der Brkentnis, sucht Heidegger den Sinn menschlicher Existenz zu erfassen. Philosophie ist für Heidegger als Philosophieren da, die innere Wesenshandlung des ganzen Menschen. Damit nähert sich Heidegger der Denkrichtung D i 11 h e y s, für den Philosophie letztlich die Erkenntnis der Typen m e n s c h - liehen Seins ist, aus denen ihre Weltanschauung und ihre Stellung zum Leben sich erklärt.