Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vom Sinn des Seins
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Sinn des Seins 191 düng liegt weder in der Höheren Schätzung der Beobachtung der Tatsachen, noch in der Anwendung von Mathematik in der Bestimmung der Natur Vorgänge, sondern im mathematischen Entwurf der Natur selbst. Dieser Entwurf öffnet den Horizont für den leitenden Hinblick auf die sich ihm enthüllenden Tat״• Sachen. Dieser Entwurf ist das A p r i o r i der Wissenschaftliehen Erkenntnis. Mit der grundbegrifflichen Ausarbeitung des führenden Seinsverständnisses determinieren sich die Leitfäden der Methoden, die Struktur der Begrifflichkeit, die Begründungs- und Beweisart. Der wissenschaftliche Entwurf des je schon irgendwie begegnenden Seienden ist die objektivierende Thematisierung der Erkenntnis- Alles Dasein ist in seinem Sein geschichtlich. Auch die Vergangenheit ist nichts Äußerliches, nichts Daseinsfremdes, sondern das Dasein selbst sofern es erinnernd und wiederholend auf sich zurückkommt. Im Augenblick ist der ganze Mensch gegenwärtig. Das Sein aus dem Grunde der ursprüngliehen Zeit faßt sich entschlossen zusammen in das Hier und Jetzt. Die Entschlossenheit, in der das Dasein auf sich selbst zurückkommt, erschließt die jeweiligen faktischen Möglichkeiten eigentlichen Existierens aus dem Erbe, das sie übernimmt. Die ergriffene Endlichkeit der Existenz reißt aus der endlosen Mannigfaltigkeit der sich anbietenden Möglichkeiten die echten heraus und bringt das Dasein in die Einfachheit seines Schicksals. Schicksalshaft existierend ist das Dasein für sein Geschick erschlossen. Das schicksalshafte Geschick macht das volle, eigentliche Dasein aus. Das Dasein zeitigt sich in der Einheit von Zukunft und Gewesenheit als Gegenwart. So gründet das Dasein in der Zeit und in dieser Entschlossenheit zur Übernahme seines geschichtlichen Schicksals enthüllt das Dasein in der Zeit den Sinn des Seins. In dieser Eindringlichkeit der Analyse menschlicher Existenz sucht Heidegger aus der Unpersönlichkeit des Man-sein das Selbst-sein des Menschen und damit den Sinn des Seins zur Erkenntnis zu bringen. Dieser erschließt sich also nicht in einer neutralen Welterkenntnis, sondern in der Selbsterkenntnis. Wenn die Phänomenologie im Gegensatz zum Kantianismus den Sinn nicht konstruieren, sondern intuitiv er-