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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 183

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Zu Gabirols allegorischer Deutung der Erzählung vom Paradies
Date
1936-01-01
Page
Seite 183 (sequence 4)
Language
German
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Zu Gabirols allegorischer Deutung־ der Erzählung vom Paradies 183 daran denken, daß die Glut der Sonne die sinnenbeschwerten Seelen versengt. Da die Seligkeit der intelligiblen Welt in der Gotteserkenntnis besteht, so verwehren die am Eingang des Paradieses wachenden Cherubim auch den Zugang zum Baume des Lebens, der die Gotteserkenntnis bedeutet, und es ist kaum eine Unstimmigkeit, wenn er das eine Mal die diesseitige, das andere Mal die jenseitige Erkenntnis Gottes bezeichnet. Dieselbe Anschauung von dem Schicksal der sinnenbeschwerten Seele hat bereits Horovitz in den Worten aus Gabirols ״Königskrone": ואם נטמאה תנוד בשצף קצף וחרון: רכל 1ימי טמאתה בדד תשב גולה ופורה. wiedergefunden, die er früher auf die Seelen- Wanderung bezogen hatte6. Beide Stellen stützen sich gegenseitig und beweisen, daß diese Jenseitsauffassung als gesichertes Bestandstück der Lehre Gabirols gelten darf. Es bestätigt sich so wiederum, daß sein ״Lebensqueir״ nur ein einseitiges Bild seiner Lehre gibt. Wenn er sich hier den Neuplatonismus nur als abstrakte metaphysische Doktrin zu eigen macht, so zeigt nun die Königskrone, daß diese Doktrin bei ihm von lebendigem religiösem Gehalt erfüllt war, und wir sehen an unserer Stelle, daß er auch den mythologischen und phantastischen Elementen der Lehre sein Denken nicht verschloß. Wie freilich seine Selbstbeschränkung in dem ״Lebensquell“ zu erklären ist, ob in den uns fehlenden anderen Teilen seines Systems auch die anderen Antriebe seines Denkens zu Worte gekommen wären oder ob er mit methodischem Bewußtsein die reine metaphysische Theorie von allen fremden Beisätzen sonderte, wird schwer entscheidbar sein. In jedem Fall dürfen wir die behandelte Form der Vergeltungslehre als durchgehende Lehre der islamischen und jüdischen Neuplatoniker betrachten7. Ihr Grundmotiv, das jen- 6 Horovitz a. a. Q., S. 206, Anm. 191; die frühere Auffassung־ S. 143, Anm. 165. Die Stelle aus der Königskrone Vers 367/8 (Davidson-Zangwill, Selected religious poenvs of Salomon ibn Gabirol $. 105). Daselbst V. 295 (S. 101) das Bild vom kreisenden, Schwert, ohne Zweifel auf die Himmels- Sphären bezogen, V. 115 (S. 89) die Bezeichnung der vier Elemente, in die sich die körperliche Materie sondert, durch die vier Arme des Paradies- Stromes. Offenbar hat Gabirol an beiden Stellen seine Deutung der Paradieserzählung vor Augen. 7 Islamische Parallelen gibt Goldziher in seiner Ausgabe des Kitäb maam al nafs, deutscher Teil S. 51 ff. ־

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