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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Zu Gabirols allegorischer Deutung der Erzählung vom Paradies
Date
1936-01-01
Page
Seite 182 (sequence 3)
Language
German
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182 Julius Guttmann Gotteserkenntnis und zum ewigen Leben4. Diese, überraschende Wendung mutet Gabirol eine Kühnheit zu, die auch im Rahmen einer solchen Allegorese schwer glaubhaft ist. Daß in einer weit ausgesponnenen allegorischen Deutung wörtlicher und allegorischer Sinn nicht durchweg ganz zusammen passen, ist unvermeidbar. Hier aber verkehrt die Deutung die Aufgabe der Cherubim geradezu in ihr Gegenteil, und für die Bedeutung, die sie den kreisenden Himmelssphären zuschreibt, läßt sich schwer ein unpassenderes Bild finden als das des flammenden Schwertes, das nach Gabirol die Sonne bezeichnet. Eine ungezwungene und natürliche Erklärung der Stelle ergibt sich, wenn wir an die Jenseitslehre denken, die seit Isaak Israeli bei den jüdischen Neuplatonikern ständig wiederkehrt. Beim Tode des Menschen trennt sich die Seele vom Körper. Hat sie sich im Leben durch Gotteserkenntnis und sittliche Läuterung über die Sinnenwelt erhoben, so kehrt sie in die übersinnliche Welt zurück und findet dort die ewige Seligkeit. War sie aber in die Sinnlichkeit versunken, so gelangt sie bei ihrem Aufstieg nur bis zur Grenze der niederen Welt, d. h. bis zur Sphäre des Feuers. Die Last ihrer sinnlichen Triebe hindert sie, in die Welt der Himmelssphären aufzusteigen. Der Umschwung der Sphären reißt sie mit fort, und rastlos umhergetrieben findet sie die Strafe für ihr irdisches Leben. Das wird weiter dahin ausgemalt, daß die Hitze des Feuers, in dem sie umherkreist, sie verzehrt, und es findet sich auch die Wendung, daß die Strahlen der Sonne sie versengen5. Diese Anschauung liegt offenbar der Deutung der Cherubim und des kreisenden Schwertes bei Gabirol zugrunde. Die Sphärengeister bewachen den Eingang zur intelligiblen Welt; und die kreisenden Hirnmelssphären, insbesondere die Sonne, halten die Seelen fern, die des Aufstiegs nicht würdig sind. Vielleicht darf man selbst 4 Rosin, Die Religionsphilosophie Abraham Iba Esras, MGWJ Bd. 42, S. 490; Kaufmann, Studien ־über Salomon ibn Gabirol, S. 71 f. 5 Vgl. Horovitz, Die Psychologie beiden jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Saadia bis Maimuni, Heft III, Josef ibn Saddik, S. 204 ff.; besonders Änm. 189, woselbst auch die Parallelen aus Israeli und Pseudo-Bachja. Van der versengenden Glut der Sonne spricht Abraham bar Chija, הגיון הגפש S. 5a, b.

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