Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu Gabirols allegorischer Deutung der Erzählung vom Paradies
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830019-2840097--54019-2840147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
184 Albert Lewlowitz seifige Schicksal der Seele als natürliche Folge ihres diesseifigen Verhaltens zu erklären, ist ihr mit dem antiken Neuplatonismus gemeinsam. Nur daß anstelle seiner Seelenwanderungslehre eine dem traditionellen religiösen Vergeltungsglauben näher stehende Vorstellung tritt- Auch diese aber tritt uns bereits bei den ersten islamischen und jüdischen Neuplatonikem in so fixierter Form entgegen, daß sie un*- bedenklich als antikes Erbgut gelten darf. In der Tat fehlt es in der Spätantike an analogen Anschauungen nicht. Dahin gehört einmal der Glaube, daß die Seelen der Frevler ihre Vergeltung unterhalb der Mondsphäre finden8. Vor allem aber hat die Vorstellung, daß die in die Sinnlichkeit verstrickte Seele nicht über die irdische Welt hinausgelangen und den Weg durch die Himmelssphären in die intelligible Welt nicht zurücklegen kann, ihr Gegenstück in der gnostischen Lehre, daß die feindseligen Stemengeister der Seele den Aufstieg zur Erlösung versperren, freilich mit dem Gegensatz der Tendenz, der durch den Gegensatz der Grundanschauung gefordert wird. Allein hier, wie in manchen ähnlichen Fällen, ist gerade die der mittelalterlichen Vorstellung entsprechende Tendenz der antiken Lehren bisher unbekannt, und es bleibt zu hoffen, daß es weiterer Durchforschung der spätantiken Literatur gelingt, diese Lücke auszufüllen. Vom Sinn des Seins. Zur Existenzphilösophie Heideggers. Von Albert Lewkowitz. Die tiefe Erschütterung des kulturellen Bewußtseins der Gegenwart kommt in zwei einander entgegengesetzten Stellungsnahmen zum Sinn des Seins zum Ausdruck: ״Gott ist totf" so formuliert Nietzsche die Absage an jede Deutung des Seins, die aus dem Geist eine Sinndeütung des Seins versucht. Denn der Geist ist Nietzsche kein Instrument einer objektiven Wahrheitserkenntnis, sondern Organ des Lebenswillens* Wahr und Falsch, Gut und Böse haben keinen objektiven Gehalt, son•? 8 Vgl. Bousset, Die Himmelsreise der Seele, Archiv für Religions- Wissenschaft, Bd. IV, S. 251 ff.