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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 181

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Zu Gabirols allegorischer Deutung der Erzählung vom Paradies
Date
1936-01-01
Page
Seite 181 (sequence 2)
Language
German
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Zu Gabirols allegorischer Deutung der Erzählung vom Paradies 181 materie ihren Ursprung haben und ihrerseits allem körperlichen Sein zugrunde liegen. Wie die Körperwelt, entstammt auch die Seele des Menschen der übersinnlichen Wirklichkeit. Der im Paradies geschaffene Adam ist das Sinnbild des der intelligiblen Welt zugehörigen obersten, vernünftigen Seelenteils. Eva und die Schlange bedeuten die beiden niederen Seelenteile, der Baum der Erkenntnis den von ihnen ausgehenden Geschlechts״ trieb, die Kleider, die Gott ihnen macht, den menschlichen Körper. Durch die Verbindung mit ihm und den niederen Seelenteilen wird die vernünftige Seele aus ihrer intelligiblen Heimat vertrieben und in die irdische Welt hinabgezogen. Aber der Rückweg steht ihr offen. Durch den Genuß vom Baume des Lebens, d. h. durch die lebenverleihende Gotteserkenntnis, kann sie des ewigen Lebens in der Welt des Geistes teilhaftig werden. Auf diese das Ganze krönende Verheißung folgen die Schlußworte der Erklärung: והכרובים הם המלאכים ולהט ד.חרב כמשל לשמש Was hat dieser zunächst aus dem Zusammenhang des Ganzen herausfallende Schluß zu bedeuten? Josef Tob Eiern erklärt ihn in seinem Kommentar zu Ibn Esra astrologisch dahin, daß die Wirkung der Sterne den Men״ sehen in der Gotteserkenntnis hindere und daß er nur im Kampf mit ihnen den Weg zum Heil finden könne. Aber er fühlt selbst die Schwierigkeit, daß Gabirol es unmöglich als Gottes Absicht betrachten kann, dem Menschen durch den Einfluß der Gestirne den Weg zum Heil zu erschweren2 3. Auch abgesehen davon aber kennt die Astrologie neben den hemmenden auch günstige Konstellationen, und es ist nicht abzusehen, warum der Einfluß der Gestirne nur als schädlich gelten soll. Von neueren Ge״ lehrten verzichtet Bacher auf eine Erklärung unserer Stelle*. Rösin und, ihm folgend, Kaufmann Verstehen sie dahin, daß die Cherubim als Wächter des Paradieses den Zugang zum Baum des Lebens nicht verwehren, sondern gerade den Weg zu ihm weisen sollen. Die Erkenntnis der kreisenden Himmelssphären ist nach dem verborgenen Sinn der Stelle die Vorstufe zur 2 Josef Tob Eiern צפנת פענח, ed Herzog Bd. I, S. 58/59, 63/4. 3 Bacher, Die Bibelexegese der Jüdischen Religiönsphilosöphen des Mittelalters vor Maimurd, S. 48, Anm. 3.

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