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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 179

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Versuch über die Freundschaft im Judentum
Date
1936-01-01
Page
Seite 179 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Versuch über die Freundschaft im Judentum 179 zwischen Jochanan und Simon b. Lakisch11. Bei מהרש״ל und דמ״א ist es die entgegengesetzte Stellung zur Philosophie, die ihrer Freundschaft Spannung und Reiz verleiht, sie aber auch auf harte Proben stellt; wie überhaupt die Bündnisse dieser Lehrer nichts Geruhsames an sich haben, sondern jeden Augenblick drohen, in Kampf und sogar in Feindschaft umzuschlagen12. Im allgemeinen aber kann man sagen, daß zwischen dem festen Verband der Familie und der strengen Hinwendung auf das Gesetz — von der großen Ausnahme der spanischen Epoche abgesehen — wenig Spielraum bleibt zur Entfaltung einer Freundschaft im antiken oder modernen Sinn. In einer Lebensauffassung, in der die Liebe zu Gott und zum Gesetz die Dominante darstellt, kann die Freundschaft nicht die Absolutheit und Ausschließlichkeit erreichen, mit der sie doch steht und fällt. Es scheint zunächst, als ob Maimonides aus diesem Rahmen heraustritt, und als ob er ganz und gar als Gefolgsmann von Aristoteles zu betrachten ist, in der Art, wie er ihn in seinem Kommentar zu Pirke Aboth I, 6 zitiert. Aber diese Gefolgschaft ist nur eine scheinbare: In Anlehnung an das Hohelied 8, 13 setzt der Talmud in B. Bathra 75a den חבר mit dem תלמיד חכם gleich, ואין חברים אלא תלמידי חכמים? in seinem Kommentar zu Demai II, 3 führt Maimonides dazu aus, daß nur die Freundschaft des Talmid Chacham eine wahre Freundschaft sein kann, denn sie ist auf Gott gerichtet. So ist im Judentum die griechische Auffassung abgewandelt, daß eigentliche und höchste Freundschaft nur unter Philosophen möglich sei. Das erste Kapitel des 2. Buch Samuel enthält die Totenklage Davids um Jonathan. In ihr bringt die Bibel alles wieder ein. und holt alles nach, was ihr an einem lebensvollen Verhält- ״ Vgl. insbesondere die verschiedene Stellung dieser Gesetzeslehrer zu den alten Traditionen und zu den משניות חיצוניות 12 Daß M. Lazarus die Freundschaft dieser beiden Männer durchaus mit der von Luther und Melanchthon verglichen haben will (M. Lazarus: Die Ethik des Judentums S. 445, vgl. auch Lemme Freundschaft 1897) erscheint mir doch weit hergeholt, und erklärt sich vielleicht mit der kritischen Bemerkung Achadi Haams zu L/ Ethik, der er sonst gerecht zu werden sich bemüht.וגם הפליג לפעמים בדרשות רחוקות.בשביל להראות רוממותו של המוסר היהודי Achad Haam, Al Praschat Drachim II. Band, Seite 89. 12*

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