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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 178

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Versuch über die Freundschaft im Judentum
Date
1936-01-01
Page
Seite 178 (sequence 9)
Language
German
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178 Max Grünewald gegen den bösen Trieb, der ihn wider Gott aufbegehren läßt9, mit dem Heilmittel der guten Lehre. In allem Widerstreit bleiben sie seine Genossen, ihre Freundschaft bleibt ungefährdet und wird schließlich besiegelt mit der Fürbitte, die Hiob vor Gottes Thron für sie einlegt. ־— Von zahlreichen und großen Freundschaften wird in der talmudischen und rabbinischen Überlieferung nicht gerade viel berichtet. Das mag zum Teil daran liegen, daß das Persönliche überhaupt mit scheuer Zurückhaltung behandelt wird, nur gelegentlich durchbricht, und daß für die Darstellung persönlieber Vorgänge ein gesteigertes Ausdrucksverlangen nicht besteht. Die Leidenschaft ist auf einen Gegenstand hin gesammelt. Die strenge Richtung auf das Gesetz zieht der schöpferischen Individualität feste Schranken — Schweifen wird hier zum Ausschweifen, und das Verweilen im Allzupersönliehen verdirbt das Maß. Die Diskussion, die Generationen miteinander verbindet, das Lerngespräch, das über die Zeiten hinweggeht, verflüchtigt das Gefühl der Präsenz, ohne das Freundschaft im üblichen Sinne nicht möglich ist. Die Beschäftigung mit der Lehre führt etwas Neutralisierendes mit sich10. Kräftige Naturen und Temperamente freilich werden sich in dieser Zone der Neutralisierung auf die Dauer nicht halten lassen, und freie Geister, deren Gedankenrichtungen verschieden sind, werden sich auch hier zur Ergänzung und zum Austausch in Freundschaft verbinden. Solcher Art ist die Freundschaft 9 Raw sieht die Vermessenheit Hiobs in. dem kühnen Anspruch Hiobs, mit Gott in ein Schiedsgericht zu treten» (Hiob 9, 33), חברותא כלפי שמיא Kameradschaft mit dem Himmel zu machen, mit ihm gleichsam auf du und du stehen zu wollen׳. — Vgl. übrigens zu dem oben Ausgeführten das bezeichnende Wortspiel in Chagiga 16a vom רע und רע 10 Anders ist es im Chassidismus, zumal im Frühchassidismus, in dem wie der Durchbruch zur Natur auch ein neuer und freudiger Durchbruch zum Menschen gelingt. Zugleich tritt der Zadik als die anschaubare Manifestation der Lehre gleichsam vor das Buch und vereinigt die Menschen seiner Nachfolge, die mit ihm Verfolgungen erleiden und durch ihn Freude erfahren, in einem festen Bund der Freundschaft, die nicht immer der Gefahr entgeht, sektiererischen! Charakter anzunehmen. Zur Sektenfreund״ schaft vgl. Fr. Delitzsch, der sie gegen den Anspruch des Staates verteidigt im: Philemon od. von d. christlichen Freundschaft, Gotha 1878, S. 100.

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