Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Versuch über die Freundschaft im Judentum
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Max Grünewald stung, sie wird vielmehr ein Ersatz für Familientradition, für Gesetz und Religion, die ihren Glanz und ihre Festigkeit mehr und mehr einbüßen. Wir treffen; hier eine in der Geschichte des Geistes sehr häufige Erscheinung an: wenn man den alten Altären den Rücken gewandt hat, findet man sich in Scharen um den Altar der Freundschaft und sucht hier, was dort verloren ging. Wir wollen diesen Weg in die Neuzeit6 nicht weiter fortsetzen und uns zurückwenden zu einem in diesem Aufsatz bisher übergangenen Kapitel unserer Geschichte, das die Überschrift trägt: Lehre und Gesetz. Im talmudischen Schrifttum begegnet uns die Freundschaft in keiner der bisher behandelten Bedeutungen. Wie das Christentum, die Verwandtschaft von Eros und Eris spürend, in der Freundschaft eine Einschränkung des Gebotes der Men« schenliebe fürchtet und von der cpüaa zur cpikabskcpia fortschreitet, so vollzieht sich auch im Judentum der talmudischen Zeit ein Bedeutungswandel der die Intention und den Inhalt der Freundschaft verändert. Auf der einen Seite erhält sie den Charakter des Liebesgebots, wofür der Sprachgebrauch des biblischen רע aufgenommen wird, etwa in dem Sinne, wie die scheidenden Priester die Abordnung segnen, die zum Dienst am Tempel tritt, der seinen מי ששכן את ש0ר בבית הזח ד,וא ישכין בידכם אדזבדז ואחבה ושלום וריעות Namen wohnen läßt in diesem Hause, er lasse unter euch wohnen Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und freundschaft« liehe Gesinnung (Brachoth 12a). Auf der änderen Seite verengt sich der Begriff der Freundschaft. Der Freund wird zum Lerngenossen und zum Genossen der religiösen Bruderschaft. Die normierende Gestalt ist Jetzt der חבר• Ihn meint die Empfehlung des Josua ben Perachja: Schaffe Dir einen Lehrer und erwirb Dir einen Chawer (Pirke Aboth I, 6, vgl. dazu אדרץח׳ u. ö.). In das Lehrhäus läßt die Legende den wiedererstandeneh Choni, den 6 In der Entwicklung des Zionismus spielt die Fr. eine; große Rolle; aus den: verschiedensten Quellen,! nicht zuletzt aus der: jugendbewegten;Fr., strömen ihr Kräfte zu. In der modernen palästinensischen Lyrik erscheint die Fr. wieder als selbständiges Thema. Es spiegeln sich darin eine gewisse Freizügigkeit des gesellschaftlichen Lebens, die wiedererwaöhte Lust am schöpferischen Beginnen und die freie Verbindung um Land und Zukunft kämpfender Gemeinschaften. ■5