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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 175

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Versuch über die Freundschaft im Judentum
Date
1936-01-01
Page
Seite 175 (sequence 6)
Language
German
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Versuch über ׳ die Freundschaft im Judentum 175 Freundschaft gleichkäme; auch nicht am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Zeit also, die auch der christliehen Welt eine neue :־Pflege; der Freundschaft brachte. Die geistige und staatliche Revolution schloß Menschen aneinander und schied sie ebenso heftig. Man konnte dem stürmischen Vormarsch einer :neuen Welt nur in Verbindung mit gleichgearteten und gleichstrebenden Menschen beikommen. Die Literatur, die ׳ die Erschütterungen mit: hervorrief, sie begleitete und aus ihnen •entsprang, ging durch bestimmte literarische Kreise hindurch, bevor sie in die Welt hinausging. Es bildeten sich allenthalben;Lesegesellschaften, i־die .׳׳zugleich Vereinigungen von Freunden ,waren.!Sie!gingen der Publikation voraus und ersetzten sie , zum Teil. In י der!raschen Aufeinanderfolge neu״ zeitlicher Kulturströmungen von der Aufklärung bis zur Romantik erstehen immer neue und für die Gesamtentwicklung bedeutsame .Freundschaften. Die •großen Aufgaben, die z. B. die Romantik sich setzte, den ,anonymen und vergrabenen ,Besitz des Volkes ausidem Dunkel der Vergangenheit zu heben, die .Entdeckungsfahrten: in, das Mittelalter brachten Dichter und Ahner von gleicher Art zusammen. Die Sehnsucht nach ver״ ■wandten Seelen war!groß und der Freundschaftskult bestand nicht nur dem Worte nach. Da in der Freundschaft soviel Andacht war, werden wir uns nicht wundern, daß nun auch an deri eigentlichen Stätte der Andacht? die Freundschaft wieder den ihr gebührenden Platz einnahm.; Sehleiermacher verhalf ihr dazu. ,An all dem Getriebe hatten nun die,Juden ihren Anteil, besonders jene , Schicht, die über dem Friihlingsfreundschafts״ sturm *alle!historische Besinnung verlor, mit den wenigen; Ausnahmen, deren ,größte Mendelssohn heißt. In Zukunft treffen wir -Freundschaftsbünde öfters an, bei den Männern, die sich mühsam einen jüdischen Wog suchen ,mitten in den Anfechtungen der Emanzipation (Kulturverein) und bei den anderen, * die rfür Jhre neue, ,aber ,noch!nicht sicher behauptete ,Lebensrichtung meinen Rückhalt in freundschaftlichen Vereinigungen anstreben. 1Es nehmen die geselligen Vereine zu und in ihnen der Hang zur Exklusivität. Aber die. Freundschaft ist jetzt, nicht der höchste .Ausdruck eines tätigen Lebens, nicht das große Mittel der Anregung zu gemeinschaftlicher schöpferischer Lei-

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