Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neue Schriften zum Maasse-Buch [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 12)
- Language
- German
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Besprechungen 139 wo ein Götzenbild steht; die Pferde reißen aus und führen die Leiche durch eine Bresche der Stadtmauer. — Dem ist •eine Erzählung ähnlich von R. Juda des Frommen Begräbnis. Der Torhüter von Regensburg hatte die boshafte Gewohnheit, wenn eine jüdische Leiche an seinem Tor vorbei״ geführt wurde, die Glocken! zur ziehen. Bei R. Jehudas Begräbnis stürzt dieser Glockenturm ein (G. 183, Pap. 188). Mit geringen Ausnahmen ׳erscheint als Held •in den Erzählungen des MB. der Fromme, als sieghafte Kraft: schlichte, tiefe Gläubigkeit, Vertrauen auf Gott. Ismar Eibogens Geleitwort preist das MB. als ״Quelle der Frömmigkeit und Demut, der Lauterkeit und Selbstverleugnung, der Hoff nun gsfreudigkeat und des Lebensmutes des jüdischen Menschen'". Meit״ lis Arbeit über das MB. ist durchglüht von Begeisterung für das MB., für den ״Geist dieses echten und wahren Volksbuches"" (43), für ״diese unver״ gänglichen Schätze in ihrer unnachahmlichen Volkstümlichkeit und Leben״ digkeit"" (50), für diese ״echte volksschöpferische Eigenart"" (119): Im MB. ״kommt der ureigene Geist des Volkes in seinem freundlichen und warmen Ton, dem Tone der alten, gemütvollen Aggada, zum Ausdruck"‘ (45). Auch Gaster stellt das MB. als ebenbürtig neben die anderen groben Samm״ lungen unserer alten Aggada (Geleitwort zu Meitlis XI). Wohl gibt er zu, daß diese Erzählungen nicht so ausschließlich der sittlichen Belehrung dienen wie der Midrasch zu den 10 Geboten oder wie der BrantspiegeL Andererseits aber bezeugt er: ״daß man •ein solches Buch veröffentlichen und es ursprünglich auch den Frauen und־ Mädchen! bestimmen konnte, das gibt ihm einen Wert, den kein, anderes Buch in keiner anderen Literatur beanspruchen kann"" (XIV). Als Erbauungsbuch steht es gewiß hoch über der Disciplina clericalis, dem ersten Novellenbuch des christlichen Europas, über den Gesta Romanorum. - Als Fundgrube der jüdisclvdeutschen Volks״ spräche und Volksüberlieferung ist es noch zu verwerten. Wir erblicken in ihm ein Denkmal wunderbarer Verschmelzung des Morgenländischen mit dem Abendländischen, genauer des Jüdischen mit dem Deutschen. Die Arbeit von Gülkowdtsch geht weit über die Probleme des Maasse״ . buchs hinaus. Wir besitzen über die חסידים ראשונים das gründliche Werk lers: Types of jewish״palestin׳ian Piety. London, 1922. Doch Büchler faßt diese zarten Gebilde mit allzu wuchtig philologischer Hand an. Gulko״ witsch wird ihnen, religionsgeschichtlich und sagenvergleichend gerecht. Er vertieft sich in die neuesten Forschungen über das Exemplum (Exemplum in der europäisch״christlichen Literatur kommt ja der עובדא oder מעשה gleich), über einfache Formen, über das Wunder, über den Frommen. Vielfach geschult, untersucht er die Urform und Normalform in den einzel״ nen Erzählungen, so zum Beispiel in der Erzählung von Abba Tachana (Qoh. R. IX, 1) der am Freitag in der Dämmerung einen Kranken! pflegt: da stoßen nun aufeinander Pflichten gegen den Kranken^ gegen die eigenen Angehörigen, gegen den Sabbath, sowie die Sorge um den Gnadenschatz. Bemerkungen: Zu S. 37. Die Frage nach dem ursprünglichen Bestand des Chibbur Jafe von R. Nissim wäre eher als auf Grund inhalt״