Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Judenbefehlshaber, Obervorgänger und Landrabbiner in Münsterland
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 10)
- Language
- German
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Judenbefehlshaber, Ober Vorgänger u. Landrabbiner in Münsterland 115 bineramte gefolgt sei46. Er stirbt am 18. Sept. 1789 im 79. Lebensjahr47. David bewirbt sich bei dem Bischof um das Amt, dem er schreibt, er habe ״nebst vielen Universitäten und großen Lehrern auch unter seinem seligen Vater soviel Studia und Praktik erworben'", daß er sich ״zu einem Rabbiner vollständig qualifiziere"48. Die Vorsteher aber nehmen gegen ihn entschieden Stellung, den völlig unfähigen und für die Stelle ״undienliehen" Mann. Ihr eigentliches Motiv scheint Davids Vermögenslosigkeit zu sein. Man befürchtet, er werde die Judenschaft ״wo nicht gänzlich drücken, doch ihr sehr zur Last fallen", ln einer Art Probeabstimmung wird der Rabbiner von Kleve, Moses Saul49, gewählt. Ganz anders fällt die eigentliche Wahl auf dem Landtag zu Wolbeck50 aus. David51 erhält von den abgegebenen Stimmen 60, Moyses Saul 33 und ein uns ganz unbekannter Simon Gumpert52 .4. Das Wahlverfahren war höchst 46 Levi Josua von 1761—1789 und sein Sohn Behrend Josua 1789—1802. 47 Anzeige Davids an, den Bischof. 45 Münster Staatsarchiv a. a. O. Vgl. Rixen 39. Die Vorsteher erklären,. D. habe nie Handel und nur Studien getrieben,, habe nie etwas verdient und werde wie sein Vater, der mit dem niedrigen! Gehalt nicht habe auskommen können, ״Nebenwege und Erpressungen * suchen mfüssen. Vor- Steher Joseph Heumann, von Stadtlohn, der älteste und1 angesehenste Vor- Steher, läßt durch seinen Bruder Philipp das ganze Emsland bereisen! und gegen D. Stimmung! machen. Nach der Wahl, in! der ״nach einhelliger Meinung aller und schriftlich abgegebenem, hebräischen Votiv der samtliehen drey Vorsteher, der beysitzer und der übrigen Stimmen! führenden Gemeinde die Meinung der Gemeinde"' erforscht worden: ist, findet ein vollkoimimener Stimmungswechsel bei der Mehrzahl statt. Heumann und Genossen behaupten׳, über David hinterlistiger Weise getäuscht worden zu sein. Philipp muß abermals eine Wahlreise unternehmen und für dten bisher als unfähig hingestellten D. agitieren. 46 Bei Rixen: Moyses Paul!. (Vgl. S. 39.) Den) Landtagsort gibt R. irr״ tümlich mit Telgte an. Moyses Saul wird 1793 Nachfolger seines Vaters in Amsterdam, wo auch der Großvater gewirkt hat. Vgl. Familie Gomperz,, S. 72 u. 233 f., Enc. j. III 351 f. Bevor Moyses nach Kleve kam, hatte er in Filehne amtiert (vom 9. 7. 1775 an; M. Gab. C. XXFV A. 10). 50 S. Anm. 48. 51 Davids Bruder, Löb Breslau, bringt vor der Hauptwahl1 ein Führungszeugiiis des Warendorf er Magistrats sowie ein Qualifikationsattest des Düsseldorfer Rabbiners Scheuer (über denselben, Levy Aaron oder Levin Scheyer oder Scheuer, im Memorbuch Juda Löb Scheuer, s. Wedell: Gesch. der jüd. Gemeinde Düsseldorf, S. 230; vgl. S. 180) für David] bei. Man setzt aber daran aus, daß dieser gefeierte Rabbiner außer in Düsseldorf noch nirgends fungiert hat, im Amte alfeo nicht hinreichend erprobt sei. ״8