Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine vermißte Schrift Farabis
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Leo Strauß Um die Quelle des nicht Faräbis Encyclopädie entnommen nen Teils des 3. Kapitels zu ermitteln, muß man berücksichtigen, daß dieser Abschnitt (24, 8—27,20) denselben Gegenstand be~ handelt wie der größere Teil des 13. Kapitels von Maimunis Milloth hahiggajon, wo gelegentlich ein Satz aus Faräbi zitiert wird. — Der letzte Abschnitt des 5. Kapitels (39, 25—41, 10) ist Faräbis Schrift über die Tendenzen von Platon und Aristoteles entlehnt (s. u. Anm. 10a). Der wichtigste Zusatz Falqeras ist das 4. Kapitel, das von der Genesis der Wissenschaften handelt. Es läßt sich gegenwärtig noch nicht beweisen, daß dieses Kapitel eine mehr oder minder wörtliche Übersetzung eines Abschnittes aus einer Schrift Faräbis ist. Aber es ist unzweifelhaft, daß die daselbst entwickelten Gedanken auf Faräbi zurückgehen. Man vergleiche z. B. den Schluß des Kapitels (30, 28 ff.) mit dem Schlußteil von Ih?ä al-'ulüm (bzw. mit Reschith chochmah 59) oder die unmittelbar vorangehende Stelle (30, 25—28)la mit Faräbis k. täh?il al-sa'äda, pp. 39—42 (bzw. mit Reschith chochmah 70, 17—19). An Faräbi erinnert auch und vor allem die in diesem Kapitel passim vorkommende, auf die politische Funktion der Wissenschaft hinweisende Rede davon, daß die Wissenschaften in der N a t i o n, bezw. in den Nationen entstehen. Dieselbe Rücksicht rechtfertigt auch die (vorläufig ebenfalls hypothetische) Zuweisung des 2. Kapitels, das von der Genesis der Sprache in den; Nationen handelt, an Faräbi. Falqeras Buch ist ein entschieden jüdisches Buch, während die Vorlage nicht im selben Grad ein islamisches Buch ist. So 1 Zur letztgenannten Stelle vgl!. Strauß, Philosophie und Gesetz, Berlin 1935, 111. ±a Diese Stell-e ist übrigens der beste Schlüssel zum Verständnis v׳on Maimunis Prophetologie. Falqera sagt daselbst, die Gesetzgebungskunst sei die Kunst, die spekulativen Begriffe, deren Verständnis der Menge schwerfällt, vermöge der Einbildungskraft bildlich darzustellen, und das Vermögen, diejenigen politischen Handlungen hervorzurufen, welche zur Erreichung der Glückseligkeit dienlich sind, und die amphibolische Rede von denjenigen spekulativen und praktischen Dingen, die der Menge nur auf amphibolische Weise zugänglich sind. Darin, liegt u. a.: die (von Maimuni wie von den Faläsifa behauptete) Angewiesenheit der Propheten auf die Vollkommenheit der Einbildungskraft ist nur von der politischen, gesetzgeberischen Funktion der Prophetie aus zu verstehen.