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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 2 · p. Seite 95

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 2
Article
Eine Polemik des Thomas von Aquino gegen Maimonides
Date
1936-01-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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Eine Polemik des Thomas von Aqixino gegen Maimonides 95 laufe bleibt. Maimonides besitzt natürlich nicht das Ganze dieser Anschauung; er ist Jude, nicht Grieche, und er lebt in einer völlig gewandelten Welt. Aber es ist offenbar so, daß für ihn das System des Aristoteles nicht nur die Form bedeutet, in der er das ererbte Gut neu gestaltet, sondern ihm, wenn auch nur mit einzelnen Bruchstücken, neuen Gehalt zugeführt hat, der die Kraft hatte neu zu binden und vielleicht auch in bestimmten Grenzen zu lösen. Es liegt nahe, daran zu denken, daß das gleiche XII. Jahrhundert im lateinischen Westeuropa eine Erscheinung aufkommen sah wie die Philosophie und die Plastik von Chartres. Die stofflichen Voraussetzungen des Schaffens hier und dort sind freilich sehr verschieden; so kennt der Westen das aristotelische System in dieser Zeit noch nicht. Aber vielleicht besteht doch in der frischen Empfänglichkeit für die Anregung durch antike Vorbilder eine Verwandtschaft des Kulturzeitalters, die das weitere Fragen durch Kundige lohnen würde. Aber kehren wir noch einmal zu unserer eigentlichen Aufgäbe, dem Thomastext, zurück. Wir sahen, daß der Kirchen- Jehrer dem jüdischen Vorgänger um der strittigen Behauptung willen vorwarf, daß er den Sinn des Alten Testaments verflüchtige. Was bedeutet diese Sachwalterschaft des Dominikaners? Wir müssen wohl von der Frage ausgehen, ob wir selbst als Bibelleser die These des Maimonides von dem selbständigen Wert der Natur, von der Welt, die nicht um des Menschen willen geschaffen ist, im Text wiederfinden. Ich denke, wir werden eher den Eindruck haben, daß wir in der Schöpfungsgeschichte der Genesis den Raum entstehen sehen, in dem dann die Geschichte beginnen kann; für sie wird Gott den Menschen die Aufgabe stellen, die naturhaften Kräfte werden nichts Wesentliches in ihr bedeuten. Es scheint uns so, als ob hier die Bibel das gerade Gegenteil von dem lehrt, was wir eben als griechische Anschauung zu kennzeichnen versuchten, und von der wir mit Thomas bei Maimonides ein Stückchen wiederfanden. Für die Bibel schafft die Geschichte der Menschen etwas Neues und Selbständiges in der Welt über die Natur hinaus, und erst in dem Bund zwischen Gott und Mensehen bekommt die Schöpfung ihren vollen Sinn. Und nun

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