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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 2 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 2
Article
Eine Polemik des Thomas von Aquino gegen Maimonides
Date
1936-01-01
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 Hans Liebeschütz jemand gesagt wird, die Sonne verfinstert sich, wenn er in eine große Betrübnis gerät, so daß er nicht weiß, was er tun soll, ein Sprachgebrauch, der in der Schrift üblich ist . . . Aber diese Auffassung widerspricht den Lehrmeinungen und Auslegungen der Heiligen, also muß man auf jenen Vernunftgrund erwidern: Wie mächtig die himmlischen Körper die menschlichen Körper auch übertreffen, so übertrifft doch die vernünftige Seele die himmlischen Körper in viel höherem Grade2; Der Gegenstand der Auseinandersetzung ist deutlich ausgesprochen: Thomas will gegen Maimonides die Anschauung aufrechterhalten, daß das menschliche Tun auf den Kosmos wirken kann; weil der Mensch das Ziel der Schöpfung ist; diese These will der jüdische Gegner nicht in seine Philosophie hineinlassen, während der Dominikaner darauf drängt, daß der Wortlaut der Bibel entscheiden soll und nicht durch Sinnbildliches Verständnis wegerklärt werden darf. — Wir werden uns: hüten müssen, von dem lateinischen Scholastiker aus allzu tief in das Gefüge der Begriffe des Maimonides hineinsehen zu wollen; aber die Oberfläche zeichnet sich hier deutlich ab: Der Kosmos und die Gesetze, nach denen er sich bewegt, sind in dem Willen Gottes begründet, der unmittelbar auf sie gerichtet ist; sie bekommen ihren Sinn nicht erst von der Menschenwelt. In solchen Gedanken spüren wir aber unverkennbar die Macht hellenischen Denkens, die sich dem jüdischen Gesetzeslehrer, der zugleich Schüler der Griechen wurde, mitgeteilt hat. Denn es handelt sich hier nicht nur um ein im besonderen eines einzelnen Systems, etwa dem des Aristoteles begründetes Lehrstück, sondern wir treffen hier auf eine Ehrfurcht vor dem Kosmos-, die aus der Anschauung der Griechen vom All stammt. Sie kann den Menschen nicht 1 e tz 11 i c h als Ziel der Kosmogonie stehen lassen, weil sie ihn stets von den Kräften der Natur gemeistert fühlt. Es ist jenes Grundgefühl, das auch noch in den Theorien ihrer Geschichtsdeutung steckt, wenn der Sinn des Menschheitsgeschehens im Kreise der Wiederkehr des Gleichen eingeschlossen ist und so im Banne kosmischer Ab- 2 Die Hauptstellen im ,,Führer der Unschlüssigen'' (IH 13 und DÜ 25) hat zuletzt F. Bamberger ,JDas System des M.“ S. 105—114 behandelt. Die Polemik des Thomas gegen die Exegese des M. richtet sich gegen II 29.

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