Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Genesisprobleme
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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Genesisp robl-eme 91 der kritische Leser einen noch größeren Gewinn ziehen wird als der Lernende — kern anderer Genesiskommentar ist so reich an anregender Kraft — hat mir, nach der unvergleichlichen Er״ örterung der Flutgeschichte, worin die bislang wohl stärkste Position der Quellenscheidungstheorie erschüttert wird13, den bedeutendsten Eindruck die Erklärung des 36. Kapitels gemacht. Wie hier in minutiöser, das ganze heranziehbare Material voll auswertender Untersuchung die verwickelten Genealogien geklärt, ihre scheinbaren Widersprüche getilgt, die tragende Tendenz erhellt wird, das ist meisterliche Arbeit. Mit Recht sagt Jacob selbst: ״Für die Mühe, die die Erklärung dieses schwierigen Kapitels gekostet hat, sind wir belohnt worden durch eine klare Erkenntnis seiner Absichten" Wie man sieht, ist es die tendenzkritische Forschungsweise, die die quellenkritische verdrängt14. Es gilt auf״ zuzeigen, welche Absichten auf Auswahl und Anordnung des Traditionsguts, darüber hinaus aber, welche auf die Traditionsformung selbst eingewirkt haben. Auch Traditionen wachsen nicht wild, auch hier walten Prozesse der Auslese, die von Grundtendenzen bestimmt sind, — von Grundtendenzen, die in verschiedenen traditionsbildenden Kreisen verschiedene, jedenfalls von verschiedner Gewichts- und Betonungsverteilung sind. Die Sonderung der traditionsbildenden Kreise ist eine soziologisch erfaßbare. Die Wirklichkeit, die der Unterscheidung von J, E und P zugrundegelegt werden kann, ist hier zu finden; es handelt sich um Typen der Traditionsformung und Traditionsbearbeitung: den frühhöfischen, sagenfreudigen, auch die frische Überlieferung sagenkräftig gestaltenden, der die Urgeschichte als Vorgeschichte dieses gotterwählten Staatswesens sieht; den frühprophetischen, wohl von kleinen begeisterten Volksgruppen getragenen, der, damit das Erwählungsbewußtsein die fordernde Botschaft nicht überwuchre, diese immer wieder das Gefüge der Traditionen durchdringen läßt; und den frühpriesterlichen, der wortstil in der Pen tateuchdEr Zahlung (״Die Schrift und ihre Verdeutschling“). 13 Das Wichtigste davon war schon in Jacobs Vortrag vom OxfOrder Orientalistenkongreß ״Die biblische Sintflut erzählimg“ (Berlin׳, Philo Verlag, 1930) mitgeteilt worden. 14 Vgl. ״Königtum Gottes“ XV f., 39 f.