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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 2 · p. Seite 92

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 2
Article
Genesisprobleme
Date
1936-01-01
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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92 Martin Buber darüber wacht, daß die festen Voraussetzungen des eingesetzten Kults, die Genealogien, die Chronologien, die Vorschriftsordnungen, unverändert bewahrt werden, aber so, daß auch hier Stoffairswahl und Komposition von dauernder Tendenz aus bestimmt sind. Gewiß setzt sich diese soziologische Typendiffe^ renzierung, mehr oder weniger abgewandelt, aber jedenfalls noch als Tendenzenscheidung wirksam, in manchen biblischen Büchern auch in die Autorschaft selbst hinein fort, und etwa das Richterbuch ist zwar nicht aus Quellen gemischt, aber aus von verschiedener Tendenz beherrschten Schriften zusammengesetzt, von denen zudem die erste mannigfaches schon geformtes, zum Teil schon dichterisch ״fertiggewordnes“ Traditionsgut zu einem Ganzen verbunden, hat; aber die Autorschaft der Genesis-Erzähhingen ist nicht von solcher Art. Was für einem Kreis auch hier ein Autor entstammt, er wird gerade dadurch, daß er sich über die Sonderungen hinweg der verschiedenartigen Traditionen als seiner nunmehrigen Gestaltungsmaterie bemächtigt und sie in seine Sicht einbewältigt, zum ״biblischen"' Autor — im Sinn einer werdenden Einheitsfunktion;, auch er, ־nicht: Tendenzfrei in seiner Gestaltung, aber sich zu einer umfassenderen Tendenz erhebend, die man als eine synthetische oder besser als die bibelstiftende bezeichnen mag. Ich stelle mir diese Autorschaft nicht als etwas Einmaliges, sondern als ein fortschreitendes Werk immer umfassenderer Verbindung und Vereinheitlichung vor; die Einheitsfunktion, die sich am Richterbuch erst spät ausgewirkt hat15, setzt hier schon früh, voll ein, und der einzelne Autor handelt, Stück in Stück der Überlieferung verfugend, im Glaubensdiehst einer faktischen Ureinheit, an deren worthafter Wiedergabe er arbeiten will; in dem für die Komposition des ganzen Buches Verantwortlichen vollendet sich dann diese Autorschaft die nicht zufällig anonym geblieben, sondern die Anonymität selber ist; und wie jeder Autor hier Redaktor war, so ist dieser Redaktor in einem hohen Sinn der Autor der Genesis zu nennen. 15 Dock stand, schon jede der beiden Haupt-Teilschriften unter dem Stil’gesetz der Vereinheitlichung', das zwischen den einzelnen Stücken und Abschnitten durch Wiederholung* Beziehungen schafft; vgl ,,Königtum Gottes‘4, 2. Kapitel, passim.

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