Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Genesisprobleme
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Martin Birber dem Dillmanns, ist die ganze bisherige Exegese so umfassend und einheitlich verwertet worden; die Schranken des bewundemswürdigen Werkes sind da, wo die eigentliche Interpretation aufhört und eine teleologische, zuweilen homiletisch anmutende Auslegung beginnt. Cassuto hat sich eine systematische Aufgäbe gesetzt, er geht nicht von den Texten, sondern von den Problemen aus; dabei bewährt er ein außerordentliches intuitives und gedanklich fruchtbares Verständnis für drei Dinge, die gewohnlich unerkannt bleiben oder vernachlässigt werden: die tektonische Komposition der Erzählung, die paronomastischen und leitmotivischen Eigentümlichkeiten des Stils4 und die weitgespannten Beziehungen zwischen vätergeschichtlicher und vorgeschichtlicher Darstellung; mit produktiver Klarheit weist er auf die Fragenkomplexe hin, die sich auftun, wenn man sich mit dem Prozeß der Träditionsformungen und den darin waltenden Tendenzen befaßt5. Alle drei Werke kämpfen mit mannigfachen, aber gleich trefflichen Waffen gegen die massive Fiktion, daß Erzählung von so großer Gestalt aus dem Zerlegen von Quellenschriften und Neuverheften der Stücke entstehen könne. >,Die Quellenscheidung“, sagt Volz (zu Kap. 28, aber es kann von den meisten gelten), ״zerreißt die schöne Erzählung künstlerisch und sachlich, sie zerstört den sinngemäßen, kunstvollen Aufbau, sie zerreißt gerade die feinsten und tiefsten innerlichen Zusammenhänge. Sie ist durch und durch unpsychologisch." Daß dem sö ist, legt jedes der drei Bücher in unvoreingenommener, streng sachlicher Untersuchung, jedes auf seihe Weise dar. Wie die drei im einzelnen Vorgehen, wie sie einander teils berichtigen, teils ergänzen, und was dabei etwa doch noch an Fragen offen bleibt, will ich an ein paar Beispielen darlegen. 4 Ich. habe mich gefreut, einiges in meinen Vorträgen und Vorlesun« gen von 1926—1928 und' gleichzeitigen Aufsätzen Rosenzweigs (eine Sammlung unserer einschlägigen Arbeiten unter dem Titel ״Die Schrift und ihre Verdeutschung“ wird/ vorliegen, wenn, dies ׳erscheint) in, dieser Richtung Vorgebrachte bei Cassuto, der anscheinend unabhängig von uns —־ er zitiert jedoch Rosenzweigs Aufsatz ״Das Formgeheimnis der biblischen Erzählungen“ von Anfang 1928, der unsere Auffassung des biblischen Leit« wortstils in nuce enthält — zu verwandten Resultaten gelangte, wiedierzufinden. 5 Zu diesen Begriffen vgl. mein ״Königtum Gottes" 37 ff.