Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine Wucherenquete in der Kurpfalz
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 5)
- Language
- German
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Eine Wucherenquete in der Kurpfalz 447 hatten Ausstände, die im Einzelbetrage auf 100 fl. und höher lauteten. Samuel Oppenheimer selbst, der damals noch ab״ wechselnd in Heidelberg und Mannheim wohnte, wird in keinem Falle als Gläubiger genannt. Als kurpfälzischer und kaiser״ lieber Heereslieferant betrieb er um diese Zeit schon groß״ zügigeren Handel. Die Art der getätigten Geschäfte beweist eindeutig, daß unter der ländlichen Bevölkerung damals ganz und gar noch Naturalwirtschaft herrschte, die sich, wenn wir uns an die Be״ richte unserer Väter und Großväter über ihre Geschäfts Vorfälle erinnern, in dem in Betracht kommenden Gebiete teilweise bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts erhielt. Der. Bauer lieh, be״ sonders in Jahren des Mißwachses zur Zahlung seiner, Abgaben und zum Lebensunterhalt beim Juden Bargeld, er kaufte von ihm Vieh, Textilwaren und andere lebenswichtige Dinge, wobei vereinbart wurde, daß die Schuld nach der Ernte mit ,; Getreide und Wein, ab und zu auch mit Holz, zurückzuzahlen ist. Bei diesem Tauschhandel war das Geld lediglich der Maßstab, durch den das Wert Verhältnis der beiderseits abzugebenden Waren Ausdruck fand. Manches Mal war sogar dieses Mittel der Wertbestimmung entbehrlich. So hatte Jud Löw Zacharias von Ladenburg3, der gerade um jene Zeit nach Mannheim über״ gesiedelt war, vor dem französischen Einfall (1675) mehreren Bauern in Nachbardörfern Mehl und Früchte (Getreide) unter der Bedingung vorgestreckt, daß ihm für jedes Malter Mehl 6 Eimer Wein zurückzugeben seien. Weil aber 1676 der Herbst ziemlich gut ausfiel und der Wein in hohem Preis verkauft wurde, vereinbarten sie sich allerseits miteinander, daß man ihm (Löw) jedes Malter für 5 fl. anschlage, wogegen, er den Wein ״wie Kauf und Lauf ist'" annehmen wolle. Auch die Zinsen, die häufig als Interesse und Pension bezeichnet sind, werden dürfte etwa Derohrds gelautet haben. Zweifellos ist er der gleiche, 1 *auf den Ellcan Haymann, Bacharach in Mannheim- 1727 in einem Bittgesuch an die Universität Heidelberg wegen; der Promotion seines Sohnes und seines Neffen hinweist (vgl. Löwenstein: Gesch. d. Juden in der Kurpfalz S. 202 und Rosenthal: Zwei jüdische Ärzte, MGWJ. 41 N. F. S. 453 N. 2). 3 Die Encyklopaedia Judaica macht ihn fälschlicherweise zum Stamm״ vat-er der Mannheimer Bankiersfamilie Ladenburg.