Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine Wucherenquete in der Kurpfalz
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 4)
- Language
- German
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446 B. Rasenthal entschuldigte die Unvollständigkeit der Verzeichnisse damit, daß die Untertanen wegen der beharrlichen Kriegsunruhen zerstreut seien und die Schultheißen die Examination nicht vollkommen durchführen könnten. Diesem Umstande mag es wohl auch zuzuschreiben sein, daß von einzelnen linksrheinischen Ämtern die Angaben überhaupt ausblieben. Die der Regierung zugeleiteten Untersüchuhgsberichte sind in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Zunächst lernen 1 wir aus ihnen nicht nur den größten Teil der jüdischen Bevölkerung in der Kürpfalz vor der großen Verwüstung (1688/89) kennen, sondern auch die der benachbarten kurmainzischen, bischöflich wormsisch und speyerischen, badischen, hessischen; nassauischen und leiningenschen Gebiete sowie die der eingesprengten Ritterschaften und Unterlehen. Besonders stark ist die Wormser und Mainzer Judenschaft vertreten. Während wir durch die Geschäftstätigkeit des kaiserlichen Oberhoffaktors Samuel Oppenheimer, die Denkwürdigkeiten der Glücke! von Hameln und andere Berichte über den jüdischen Großkapitalisten und seinen Anteil am Wirtschaftsleben im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts weitgehend unterrichtet sind, fließen die Quellen hinsichtlich der Erwerbsart des kleinen Landjuden viel spärlicher. Sie finden durch unsere Berichte eine schätzenswerte Bereicherung. Welcher Art waren nun die Geschäfte; die zwischen der kurpfälzischen Landbevölkerung und der unter ihr oder in ihrer unmittelbaren Nähe seßhaften Judenschaft abgeschlossen wurden? Als Kontrahenten standen sich in der Regel der rheinische Kleinbauer, dessen Grundbesitz — wie heute noch — bestenfalls 3—10 ha umfaßte, und der Land Jude, dessen Betriebskapital vielfach keine 100 fl. betrug, gegenüber. Dies macht die Tat- Sache erklärlich, daß die angegebenen Schuldposten überwiegend auf geringe Beträge lauten. Einstellige Zahlen bilden die Mehrheit. Dreistellige sind recht selten. Nur wenige Gläubiger, etwa Moses Oppenheimer in Heidelberg (des nachmaligen Oberhoffaktors Bruder) und der Judendöktor in Ladenburg2 2 Dieser Ladenbürger Judendoktor wird schon 1661 erwähnt (Badl Gen. Lds. Archiv: Pfalz Gen. 6876). Sein Name ist undeutlich geschrieben und