Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine Wucherenquete in der Kurpfalz
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 3)
- Language
- German
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Eine Wucherenquete in der Kurpfalz 445 ernst gemacht wird, werden sie,- wie die gleiche Aktion in Kurtrier erwies, sich von selbst mit einer ansehnlichen Geldsumme einstellen, damit ihre strafbare Finanz und ihr Wucher sich nicht offenbare. Nachdem de Bonn über ein Vierteljahr in der Sache nichts gehört hatte, sandte er eine nochmalige Vorstellung nach Heidelberg, die in erweiterter Form die bereits von ihm vorgetragenen Anklagen enthielt und die am 2. September 1676 vom Kammer-Kanzler an den Hofrat zur Begutachtung weitergegeben wurde. Kulturgeschichtlich aufschlußreich ist de Bonns Stoßseufzer, die Juden befleißigen sich seit einigen Jahren des deutsehen Lesens und Schreibens, das sie erlernten, um mit ihren Schuldnern heimliche, wucherliche Kontrakte abzuschließen und so die Mithilfe der Notare und Gerichtsschreiber entbehrlich machen. Bemerkenswert sind auch die Randbemerkungen, mit denen der begutachtende Hofrat de Bonns zweite Denkschrift versah. So bemerkte er zu dem Anklagepunkte, die Juden würden zum Verderb des Landes das Korn auf dem Halm und den Wein auf dem Stock kaufen: ״Das tun die Christen auch!“ Und zum Hinweis darauf, daß Juden Schuldurkunden von Dritten erwerben und dadurch Christen untei־ ihr Joch bringen, meint der Gutachter: ״Wer unschuldig hierin ist, der hebe den ersten Stein auf!“ Trotz alledem konnte de Bonn den Erfolg für sich verzeichnen, daß die kurpfälzische Regierung am 10. September 1676 die Ämter anwies, die Schulden der Untertanen bei Juden sowie die zu entrichtenden Zinsen zu verzeichnen und bis auf weiteres ein Zahlungsverbot auszusprechen. Die Mithilfe des kaiserlichen Notars in Worms hielt, man nicht für erforderlich, obwohl er in seinem letzten Schreiben nochmals versicherte,, der Hbfkammer 6—7000 Rtl. einbringen zu können, wie er vor etlichen Jahren als Gehilfe des kurtrierischen Kammer- und Kanzleidirektors von ,Hohenfeld dem vormaligen Erzbischof bei gleicher Aktion 5000 Rtl. eintragen half. י Die Zeit für die Vornahme der Enquete war nicht besonders günstig gewählt. Ein Amt berichtete, der Zehntschreiber habe die Untertanen ״wegen vieler continuirlicher Frohnden“ nicht zusammen bringen können.; Das Oberamt Neustadt a. H.