Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das messianische Gastmahl der Gerechten in einer hebräischen Bibel aus dem XIII. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 13)
- Language
- German
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Das messianische Gastmahl d. Gerechten, in einer hebr. Bibel 419 tierköpfigen Menschengestalten entstammen der ägyptischen Kunst Wahrscheinlich überlebten solche Zwittergeschöpfe in der koptischen und syrischen Kunst den Untergang des Heidentums und drangen mit den Erzeugnissen östlicher Kleinkunst nach Europa. Jedenfalls finden wir schon im Sacramentarium aus Gellone, um 804 (Paris. Bibi. Nat., ms. lat. 12. 048), die vier Evangelisten, welche, statt menschlicher, die Tierköpfe ihrer Symbole tragen21. Dasselbe wiederholt sich auf drei Denkmalern emilianischer Malerei des XIII. Jhdts: den Kuppelmalereien des Battistero zu Parma und zwei bolognesischen Bibeln, einer in Krakau und der anderen in Wien22. Die Teilnehmer $ des paradiesischen Gastmahles dürften als eines der ältesten, bekannten Beispiele solcher Darstellung menschlicher Wesen bei den Juden gelten; aber es ist durchaus möglich, daß bedeutend ältere Denkmäler zum Vorschein kommen. Ganz merkwürdig ist dagegen die Anthropomorphisierung der Planeten (Abb. 1), was bei den Juden immer streng verpönt war. Aus dem XIV. Jhdt. könnte man eine ganze Anzahl an Beispielen tierköpfiger Menschen in hebräischen Handschriften anführen, allerdings ausschließlich in Handschriften deutscher Herkunft: dem Wormser Machsor und vor allem dem prachtvoll um 1322 in Süddeutschland ausgemalten Machsor^ früher bei David Kaufmann, heute in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Budapest, wo auch das Tierkreisbild der Zwillinge als zwei menschliche Wesen mit Hundeköpfen dargestellt ist. Die beiden Tiermenschen, die eine Lichtscheibe halten, werden vom Dombart mit Darstellungen auf den babylonischen Kudurru (Grenzstein) züsammengestellt23. Tierköpfige Menschen kommen auch 21 Michel, A.:; Bistoire de 1‘Art. T 1/1, S. 314, Fig. 159. 22 Ms. Bibi. Jag. 289. Cf. Ameisenowa, Z.: Les principaux mss. de la Bibi. Jag.,Bulletin de la Soc. franc. de reprod. de mss. a peintures7 1933, S. 22. Wien. Nat. Bibi. Ms. 1101.! 23 Dombart, Th.: Eine bedeutsame Darstellung des Tierkreisbildes der Zwillinge. Festschrift Georg Leidinger. München 1930, S. 47—49, Tafel XII, und Müller, F. — Schlosser, J. — Kaufmann, D.: Die Haggadah von Sarajevo. Wien 1898. Tafel X. R. Wischnitzer-Bernstein: Gestalten und; Symbole der. jüd. Kunst, Berlin 1935, p. 30, betrachtet tierköpfige Menschengestalten in hebr. Handschriften als solche, welchen׳ besondere ״sakrale Bedeutung zukommt“. . .; i \ 1 :