Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das messianische Gastmahl der Gerechten in einer hebräischen Bibel aus dem XIII. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 12)
- Language
- German
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418 Zofja Ameisenowa logischen Schriften, z. B. der syrischen Baruch-Apok. (29, 4), enthalten wäre. Die Darstellung der beiden Ungeheuer in Ge- Seilschaft des Vogels Greif״ziz, verrät wiederum eine Vertrautheit des Malers mit der apokryphen, dem berühmten Tannaiten des II. Jahrhundert und Akibaschüler: Simon ben Jochai zugeschriebenen, Apokalypse19. Somit wäre der rätselhafte Inhalt beider abgebildeten Miniaturen gelöst und sein Zusammenhang mit der Ideenwelt des mittelalterlichen Judentums festgestellt: wir haben vor uns die Freude der Himmelskörper und das messianische Bankett der Gerechten mitsamt den drei, zum Verspeisen bestimmten Urtieren. > Es sind nicht die einzigen messianischen Darstellungen in dieser Handschrift. Am Ausgänge des Buches Ruth ist ein eselreitender König dargestellt, ihm zu Füßen ein bärtiger Mann. Beide Figuren haben ausradierte Gesichter. Hier stimme ich der Interpretation Bernheimers zu, daß es sich um die Illustration der Prophetie des Zacharias handelt (Sech 9Ö), welcher die Ankunft eines armen, gerechten, eselreitenden König-Messias voraussagte. Der bärtige Mann dürfte der allgemein als Vorläufer des Gerichtstages und der Ankunft des Parakleten geltende Prophet Elias sein20. Es bliebe noch zu erläutern, warum die schmausenden Gerechten und der aufspielende Engel mit Tierköpfen dargestellt sind. Solche Darstellungen kommen nicht nur in der Dekoration jüdischer Handschriften vor, sondern sie sind auch den christlichen, mittelalterlichen Kunstdenkmälern geläufig. Die 19 Vgl. den aufschlußreichen Artikel von Kaufmann Köhler in der Jewish Encyclop. sub voce Leviathan und Jellinek: Beth-ha-Midrasch Hk 76—82r wo auf S. 80 gesagt wird, daß nach der Ankunft des Messias den Juden für 2000 Jahre Ruhe beschieden wird. Behemot wird geschlachtet und Ziz wird mit seinen mächtigen Krallen den! Leviätan zerreißen. Dann erscheint Moses und tötet wiederum den Ziz. Mit dem Fleische der drei Ungeheuer werden die Gerechten gespeist. Schon früh wurde der reine, milde Vogel Ziz, irrtümlich mit einem anderen, gigantischen! Raubvogel Bar Jokrteh, der oft in der talmudischen und rabbinischen Literatur erwähnt wirdr verwechselt, so von Eisenmenger J. A.: Entdecktes; Judentum. Königsjberg 1711, Bd. II, S. 872-^880, aber auch von den! Jüdischen. Autoren. 20 Bernheim er •a. Q. S. 6.