Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das messianische Gastmahl der Gerechten in einer hebräischen Bibel aus dem XIII. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
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Das messianische Gastmahl d. Gerechten in einer hebr. Bibel 413 Budapester Akademie der Wissenschaften, beobachten8. Die Dekoration der Mailänder Bibel dagegen gehört noch zu den letzten Ausläufern der Vorgotik, zu der Endphase des söge״ nannten ״zackigen Stils“, den Hanns Swarzenski treffend als eigenartige Synthese zwischen der byzantinisierenden Konven״ tion und dem originell deutschen Formwillen charakterisierte9. Aber nicht um die Stilanalyse der Miniaturen geht es uns hier, sondern um zwei vpllausgemalte Blätter im dritten Bande der Bibel,r die mit dem Inhalte der Heiligen Schrift nichts gemein haben. Dieser Band, God. 32 B infv mißt 445x344 mm, zählt 136: Blätter, ist in drei Kolonnen geschrieben und enthält fol״ gende Bücher: Hiob, Ruth, Psalmi, Proverbia, Canticum, Eccie״ siasticus, Threni, ־ Daniel, Esther, Ezra, Paralip omena. Auf den zwei letzten Seiten malte der Miniaturist zwei rätselhafte Szenen. Auf fol. 135 verso (Fig. 1) sehen wir in der Mitte sechs konzen״ trische, vielfarbige Kreise um den siebenten gruppiert. In diesem ist eine Anzahl Sterne, der Mond und die strahlende Sonne dargestellt. Beide Planeten haben menschliche An״ gesichter mit großen Augen und breiten Mündern. In den vier Ecken stehen die vier aus der Vision Ezechiels bekannten Tiere: der Löwe, der Ochse, der Adler und als viertes, statt des Tieres mit dem menschlichen Angesicht, ein großer, hahnartiger Vogel10. Auf fol. 136 recto (Fig. 2) sehen wir oben links einen Stier, erhobenen Hauptes, mit glühenden Augen. Über ihm schwebt ein Greif, halb Adler und halb Löwe, rechts schwimmt auf schematisch gezeichneten Meereswellen zusammengerollt ein Riesenfisch, mit dem Kopfe die Schwanzflosse berührend. Ein i waagerechter Streifen durchschneidet das Blatt in zwei un~ gleiche Teile. Unten, auf blauem Grunde, welchen regelmäßig aufgesetzte Ornamente aus drei Tupfen beleben, ist ein Bankett dargestellt/ Unter; drei Bäumen, mit pilzartigen Kronen, von 8 Moses, Elisabeth: Über eine Kölner Handschrift des Mischneh-Torah des Maimanides.— Zeitschrift f. Bild. Kirnst. 1926/27. S. 71—76. 9 Swarzenskir Hanns: Vor gotische Miniaturen;, 1927, S. 6. 10 Diese drei Tiere der ezechieünischen Vision kommen regelmäßig vor als Träger der Himmelsphären in den kalendarischen Tabellen (Luchoth) der hebr. Handschriften. So z. B. in der Bibel der Pariser Bibi. Nat. aus dom XDI. Jhdt. ms., hebr. 20. Andere Beispiele in der Enc. Judaica, B& IX sub voce Kalender.