Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 19)
- Language
- German
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Die wirtschaftliche Stellung* der Juden in Bagdad im 10. Jahrhdt. 379 sobald die Lebensnotwendigkeit dies erheischt. Die Ratzelsche Annahme einer Ideenarmut der Menschheit weist er ab: Wo die Notwendigkeit vor״ liegt,, weiß der Mensch die seinem Bedürfnis entsprechende Abhilfe zu schaffen. , Es ist nicht meine Aufgabe, diese Theorien auf ihre Rieh״ tigkeit hin zu untersuchen oder mich zu einer von ihnen zu be״ kenhen. Wohl aber bin ich der Ansicht, daß die Ergebnisse der modernen Völkerkunde, die ja bestrebt ist,, sich zum Rang einer ״Kulturwissenschaft“ zu erheben (״kulturwissenschaftliche Me״ thode“) auch bei einem Problem von der Art des unsrigen nicht außer acht gelassen werden dürfen. Bis jetzt stehen die ethnographischen Theorien einander gleichberechtigt gegenüber. Wer sich auf eine derselben stützt, etwa auf die Übertragungstheorie, muß einerseits nachweisen, daß in dem betreffenden Falle alle Prämissen dieser Theorie erfüllt sind, anderseits, daß die Prä״ missen der anderen Theorien nicht gegeben sind. VL In;,Der moderne Kapitalismus“ schreibt Sombart im Vorwort (S. XVII): Es gibt nicht eine ״Geschichte des Kapitalismus“ schlechthin, sondern nur eine ״Geschichte des modernen Kapitalismus“ innerhalb ״des durch die süd״ und westeuropäischen Völker, die seit der Völkerwanderung die Träger der Geschichte Europas sind, gebildeten Kulturkreises“. Wenn wir diesen Ausspruch auf unsere Frage anwenden, so dürfte er bedeuten: der Kapitalismus ist nicht ein Kulturgut, das als Exportartikel überallhin übertragen werden könnte, sondern eine einmalige zeitlieh und räumlich b e d i n g t e historische Erscheinung. Das Judentum ist nur eine von diesen Bedingungen. Im Vor״ wort zu ״Die Juden und das Wirtschaftsleben“, S. X,. sagt Som״ bart: Dieses Büch will die Bedeutung der Juden für das moderne Wirtschaftsleben aufdecken. Damit soll aber natürlich der Einfluß der anderen Faktoren, die außer den Juden am Aufbau des modernen Kapitalismus beteiligt sind, nicht geleugnet werden. In diesem Sinne nennt Sombart an derselben Stelle sein Buch sogar ״ein einseitiges Buch; es will einseitig sein“. Sombart macht also von dem dem Gelehrten zustehenden Rechte der ״Abstraktion“ Gebrauch. Aber indem Sombart auch jene anderen Faktoren in besonderen Bänden untersucht hat (Bourgeoisie, 25*