Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 5 · p. Seite 378

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 5
Article
Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
Date
1935-01-01
Page
Seite 378 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830007-2830013-2839748--53640-2839798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

378 A. Cohen entstanden sein, wo das Wirtschaftsleben reif dafür war. An Lehrmeistern fehlt es in der Geschichte in der Regel nicht, wohl aber an gelehrigen Schülern, die imstande sind, Lehrmeister anzulocken. Die Ursache eines Fortschritts in der Kulturentwieklung ist das Bedürfnis nach neuen Kulturgütern, hervorgegangen aus den Lücken, die die vorangegangenen Kulturperioden gelassen haben. Dies ist der Boden, aixf dem der verschwenderisch ausgestreute Samen aufgeht. Das häufig gebrauchte Bild vom Strome der Kulturgüter vom Lande der alten Kultur in Ländern mit primitiver Kultur stimmt nicht. Vielmehr ist das Primäre die Anziehungskraft, die von einem solchen Lande ausgeht,, das seine Kraftlinien überallhin aussendet, um sich die Anregungen, deren es zur Ergänzung bedarf, von überall her zu holen. Denn wie die Empfindung einen Reiz voraussetzt, so ist oft eine Anregung von außen notwendig, um ein schlummerndes Bedürfnis zu wecken. Wir befinden uns in dieser Beziehung in Übereinstimmung• mit den Ergebnissen, zu denen die moderne Völkerkunde gekommen ist. In der Ethnographie stehen zwei Richtungen! einander gegenüber: 1. Der ״Übertragungsgedanke ‘ von Ratzel: Bevor man an selbständige Neuschaffung denkt, soll man stets .erst die Möglichkeit einer Entlehnung ins Auge fassen. 2. Der von Bastian, in die Literatur eingeführte ״Elementargedanke“1 bzw. ״Völkergedanke“, der aus einer gewissen Unklarheit, die ihm anhaftete, herausgehoben worden ist durch 3. die sog'. Convergenztheorie. Der Begriff der Konvergenz ist der Biologie entnommen: Gleiche oder ähnliche Lebensumstände müssen! auch gleiche oder ähnliche Lebensformen hervorbringen. Luschan28 hat gefunden, •daß im Leben zweier verschiedener Naturvölker oft Tatbestände anthropologischer oder; kultureller Beschaffenheit auftretem, die einander ähnlich sind, ohne daß eine Entlehnüng Öder Übertragung vermutet ,Werden “kann. Dies ist von Weule29 weit er geführt worden. Weule hat die an sich natu r wissenschaftliche Konvergenztheorie für das, g e i s t e s wissenschaftliche Gebiet adoptiert. Es handle sich — sagt Weule — um die Tatsache der selbständigen Erfindiung oder Neuschaffung von . Kulturgütern, auf Grund eigener Erfahrungen, um! eine bewußte zweckdienliche Anpassung an die Natur des Lebensraumes: jeder sieht sich in die Lage versetzt, auf Abhilfe zu sinnen, 28 Luschan, Felix, Zusammenhänge und Konvergenz. In: Mitteil. d. anthropol, Ges. Wien!, BdL 48 u. 49, 1919, S. 1. .■׳■■■■■' 20 W-eule, Karl (Leipzig), Zusammenhänge und Konvergenz. In: Petermanns Mitteilungen, 1920, S. 69 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.