Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 20)
- Language
- German
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380 A. Cohen Luxus, Krieg), hat er seinen früheren Behauptungen hinsichtlich der Juden nachträglich Maß und Schranke gesetzt. Und in den 43 Kapiteln, in denen Sombart in ״Der moderne Kapitalismus"' dessen ,,historische Grundlagen"" darstellt, nehmen die Juden nur ein einziges Kapitel (das letzte) in Anspruch. Nur eine von diesen anderen ״historischen Grundlagen"' soll näher betrachtet werden. Der Handelszug: Lissabpii-^Ämsterdarn* mit Abzweigung einerseits nach Hamburg, anderseits nach London (dann nach New York usw.) ist nicht der einzige ip der Wirtschaftsgeschiehte des Sombartschen Kulturkreises, sondern mindestens ebenso bedeutend ist eine andere, zeitlich frühere Handels- Straße, die, ebenfalls vom Orient den Ausgangspunkt nehmend, von den großen Handelsrepubliken Italiens über die südfranzösischen und süddeutschen Handelsempprien an die Nordsee (nach Flandern und England) führte. Daher kommt es, daß wir als Konkurrenten der jüdischen Kaufleute und Geldgeber in der zweiten Hälfte des MA. den Lombarden (Italienern) und Cahor״ sinem (Südfranzosen) begegnen. Charakteristisch1 ist, daß in den mittelalterlichen Quellen^ wo von Wucherern (= Geldgebern) die Rede ist, diese drei Kategorien oft, man kann sagen in der Regel zusammen genannt werden. Dabei sind aber, wie Kulischer30 hervorhebt, unter den Lorhbarden und Cahorsinem keineswegs verhaßte Wucherer zu verstehen, sondern jene stob zen italienischen (bzw. französischen) Handelsherren, die dem Handelsrecht und der Handelssitte schon im MA. das Gepräge gegeben haben, das sie z. gr. T. noch heute besitzen. Ihnen gegenüber spielen die Juden in der Wirtschaftsgeschichte eine verhältnismäßig bescheidene Rolle, ln Südfrankreich erscheinen Juden als Ge l d .׳v.ieTmit.tl e r zwischen den christlichen Kaufleuten und den Geldbedürftigen31 und so stellt Garo (II 74) fest: An Wohlhabenheit standen die Juden weit hinter den Lom•^• barden zurück. Besonders in dem Lande, das dem modernen Bankwesen Richtung und Wege!gewiesen hat, an England, haben nicht die schon 1290 vertriebenen Juden, sondern die 30 Kulischer, Warenhändler und Geldverleiher im MA. (Ztschr. f. Volksw. usw., Wien 1908, S. 56). r 31 R. d. et, j. IX (1884) p. 34 ff.y 187 ff. , 5