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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 5 · p. Seite 375

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 5
Article
Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
Date
1935-01-01
Page
Seite 375 (sequence 15)
Language
German
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Die wirtschaftliche Stellung* der Juden in Bagdad im 10. Jahrhdt. 375 Nur eine Tatsache ist es, die von Massignon, aber nicht von Fischei erwähnt wird: Die jüdischen Bankiers haben Expeditionen zur See, koloniale Streifzüge, verbunden mit Sklavenjagden in Afrika, mit Geld unterstützt und zur Finanzierung dieser großartigen spekulativen Unternehmungen mit prominenten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde einen Konzern (groupe des bailleurs de fonds capable) gebildet. Bei Bern־- teilung dieser Tatsache muß man sich vor Augen halten, daß sich hohe abbasidische Staatsbeamte mit Räubern verbündeten, um skrupel- und gefahrlos die nach Mekka wallfahrenden Pilgerzüge auszuplündern (v. Kremer, S. 10 und 11), daß der Sklavenhandel besonders schwungvoll auch über ״christliche" Häfen betrieben wurde24 —־ daß die jüdischen Gemeinden in Ägypten die Hände voll zu tun hatten, um das Lösegeld für die von muhammedanischen Seeräubern gefangenen Juden aufzubringen (Mann, Jews in Egypt) — und man wird erst das rechte Augenmaß für alles andere gewinnen. Es muß — trotz allem Wohlstand und aller Kultur — eine fürchterliche Zeit gewesen sein. Aus der häufigen Verwendung bargeldsparender Mittel (s. o.) durch die jüdischen Finanzmänner glaubt Massignon den Schluß ziehen zu dürfen, daß die Juden in Bagdad in Geldsachen eine ähnliche, aber finanzielle Autonomie besessen, wie politisch durch die Institution des Exilarchats und religiös durch die des Gaonates. Weiter geführt wird diese Analogie durch den Hinweis darauf, daß nach dem Beispiel der Nachkommen öizkias (des ״letzten" Gaons, gest. 1040) jüdische Kaufleute und Bankiers den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit von Bagdad nach dem spanischen, ebenfalls unter muselmanischer Herrschaft stehenden Cordova verlegten, zu dem Exodus durch die Unsicherheit genötigt, die in Bagdad eingetreten war (Seldschuken, Mongolen). Aber gerade im arabischen Spanien hatten die Juden ״in wirtschaftlicher Hinsicht keine besonderen kennzeichnenden Eigentümlichkeiten aufzuweisen" (Caro II 223), wobei freilich die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß hier einfach die Quellen versagen. 24 Heydy Gesch. des Levantehandels II,• S.’■ 442,-545.

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