Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 14)
- Language
- German
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374 A. Cohen handenen Quellenmaterial die Schlußfolgerung, daß ״das groß״ artige internationale Bankwesen der Gegenwart mit seinem Überwiegen des j ü d ischen E lerne nie s auf das Kalifat der Abbasiden zurückgeführt werden kann"'. Massig״ nons Arbeit charakterisiert sich also als ein Beitrag zur allge״ meinen Wirtschaftsgeschichte, ja als ein Versuch der gerie״ tischen Erklärung von wirtschaftlichen Institutionen der un״ mittelbaren Gegenwart. Es sei daher einem Nationalökonomen, der aus der ״historischen Schule" hervorgegangen ist, gestattet, die Massignonsche These auf ihre Begründung und Berechti״ gung zu prüfen. Dabei wollen wir die Frage des Anteils des jüdischen Elementes im heutigen Bankwesen — eine Frage, die mit den vorhandenen Mitteln (Statistik usw.) kaum exakt gelöst werden kann, und deren Beantwortung bisher in der wissen״ schaftlichen Literatur auch noch gar nicht versucht worden ist — beiseite lassen. Wenn Massignon seiner These eine proble״ matische Fassung gibt (״es erscheint wahrscheinlich, kann an״ genommen werden") so entbindet dies die Kritik nicht von der ihr gestellten Aufgabe. Auf welche Tatsachen stützt sich Massignon? Es sind i. a. dieselbe!h, die Fischei, nur ausführlicher, dargestellt hat. Der Titel Hofbankier, sagt er, der unter Muqtadir zwei oder drei jüdischen Bankiers verliehen worden ist, deutet auf feiste Be״ Ziehungen derselben zum Staat. Beweis das (auch von Fischei erwähnte, s. o. S. 367) Darlehen, das die Firma J. & A. in den Jahren 913—29 dem Vesir gewährt, gedeckt durch Einnahmen aus der Grundsteuer der Provinz Ahwäz. Auch darin zeigen sich jene Beziehungen, daß die Vesire die von ihnen ein״ genommenen Gelder aus Strafen und aus Konfiskationen (o. S. 368) bei den Bankiers deponierten, wobei der Gewinn aus der Anlage dieser Depositen zwischen dem Vesir und den Banken geteilt wurde. Eine andere Gewinnmöglichkeit war die״ jenige aus der Münzarbitrage (o. S. 368). Massignon schildert die WährungsVerhältnisse in Übereinstimmung mit v. Kremier. Er erwähnt die Vervollkommnung, die die Bankiers dem Zah״ lungsverkehr gaben durch Verwendung von bargeldersparenden Zahlungsmitteln wie Wechsel, Scheck usw.