Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830013-2839748--53635-2839793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhdt. 373 ten auftreten20. Auch sie trieben Münz« und Wechselarbitrage, stellten Kreditbriefe aus, übernahmen von der Regierung Steuerpachten21 und leisteten Vorschüsse darauf. Diese Geschäftsleute wurden Finanzagenten, Hofagenten, Hoffaktoren und, wenn sie Juden waren, Hofjuden genannt, und auch heute noch haben sie in der Wirtschaftsgeschichte diese Bezeichnung. Auch heute noch werden die Geschäftsleute, die Finanzgeschäfte machen, sowie Bankiers (bankers), soweit sie Finanzgeschäfte machen, als Financiers bezeichnet. Ich sehe keinen Grund, diesen Ausdruck nicht auch auf Josef ben Pinhas und Aharon ben 'Amram anzuwenden. Auch der gahbad war in erster Linie Geldwechsler und Steuereinnehmer (s. o.). Daraus erklärt sich auch seine offizielle Stellung zum Kalifen, vergleichbar derjenigen des ״Hofagenten“ in der Periode des Absolutismus. In den Quellen werden Josef b. P. und Aharon b. A., wie oben erwähnt, auch als ״Hof juden" (so wörtlich nach der Übersetzung von Fischei, S. 349) bezeichnet. Hier haben wir wirklich eine Analogie, die alle Erfordernisse einer solchen erfüllt. IV. Fast gleichzeitig mit Fischei hat der bekannte Islamforscher Mas.si g n o n22 ebenfalls die wirtschaftliche Tätigkeit jüdischer Geschäftsleute unter den Kalifen mit der Geschichte der Banken in Verbindung gebracht. Aber während Fischei23 sich mit der Feststellung begnügt, daß die von ihm geschilderte Firma eine Bank, und zwar eine Bank im modernen Sinne war, daß es also im Kalifenreich im 10. Jahrhundert Banken (im modernen Sinne) gegeben hat, geht Massignon viel weiter. Er zieht aus dem vor- 20 Über den Anteil der Juden daran s. Jüd. Lexikon, Finanzwesen. — C. V. Ztg. 1934, Nr. 32, 2. Beibl. Da die Verwaltung der direkten Steuern schon weiter vorgeschritten war, so kamen hauptsächlich die indirekten! Steuern in Betracht, namentlieh die sog. Steuern!onopole. 22 L'influence de TIslam au moyen äge sur la fandation et Tessor des banques juives. (Bulletin! detudes orientales de lTnstitut־■de Damas, t. 1. 1931.) 23 Beide Forscher sind offenbar unabhängig voneinander zu ihren Ergebnissen gekommen. Als die Arbeit Massignons erschien, war diejenige Fischeis schon abgeschlossen (S. 342, Anm. 3).