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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 5 · p. Seite 369

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 5
Article
Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
Date
1935-01-01
Page
Seite 369 (sequence 9)
Language
German
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Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhdt. 369 Weisung, international als ״Auszahlung“ (transfer), zu charak״ terisieren sein. Jedoch ist dies hier nicht wesentlich. Dagegen darf daran erinnert werden, daß schon im Altbabylonischen Zahlung durch Übergabe von mit Inhaberklausel versehenen Schuldtafeln vorkamen16. Als ähnlich hinsichtlich Art der geschäftlichen Tätigkeit und öffentlicher Stellung,, aber nicht von gleicher Bedeutung, wie J. und A., werden bei Fischei gelegentlich vier andere Juden erwähnt: Sahl b. Nazir, Isräil b. $alih, Ja'qüb, Abu 'Ali b. Fadian. Auch sonst treffen wir in den muhammedanischen Reichen jü״ dische Geschäftsleute von finanzieller Bedeutung, z. T. mit näheren Angaben über die Art ihrer geschäftlichen Tätigkeit. So wird von dem aus den Genisa-Fragmenten von Kairo be״ kannten Abu Na?r Härün, der wegen seines Einflusses bei Hof ermordet wurde (Mitte des 11. Jahrh.), berichtet, daß ״die Leute bei ihm ihre Ersparnisse anlegten“17. Man darf nun aber nicht glauben, daß es in den musel״ manischen Ländern von jüdischen Finanzmännern oder sonsti״ gen großen, erfolgreichen jüdischen Geschäftsleuten gewimmelt habe. Die Mehrzahl der Juden ging bürgerlichen Gewerben nach. Das Textilgewerbe (Walker, Färber) und Ledergewerbe (Gerber, Schuster) überwog (Mez, a. a. O. S. 36). Vom 9. zum 10. Jahrhundert scheint bei den Juden ein sozialer Aufstieg ein״ getreten zu sein, namentlich im Vergleich mit den Christen, die sich schon im 9. Jahrhundert in gehobener Position befanden (Fischei, S. 347, Anm. 3). Aber auch noch später lebten viele Juden kärglich in gedrückter Lage und mußten in Notfällen von ihren Glaubensgenossen unterstützt werden, wie wir ebenfalls aus den Genisa«Fragmenten von Kairo wissen. Richtig ist, daß die Juden im islamischen Weltreich eine entwickelte finanzielle Tätigkeit zu einer Zeit ausübten, in der in den christlichen Staaten Europas (vielleicht abgesehen von islamischem Gebiet benachbarten Ländern) beim Fehlen der all״ gemeinen Bedingungen an derartiges noch nicht zu denken war. Der Grund lag vor allem darin, daß überhaupt die arabische Kultur auf einer höheren Stufe stand, auch in wirtschaftlicher 16 Scharr, "Urkunden des altbabylonischen Rechtes, 1913, S. 72. 17 J. Mann, The Jews in Egypt under the Fatimid Caliphs, 1920, I 76.

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