Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
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Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10״ Jahrhdt. 367 (581, Anim3 .׳), so z. B. zu einem Progrom (attack) auf die Juden in Bagdad i. J. 998 (591, Anm. 1). Ein richtig gehendes Darlehensgeschäft ist nach dem uns zur Ver״ fügung stehenden Material nur der dritte Fall. Der schon vorhin genannte Wesir 4All b. Isa nahmi (wahrscheinlich i. J. 913) bei J. & Ä. eine Anleihe auf. Der Betrag war verhältnismäßig nicht groß, 10 000 Dinar jährlich. Das Arrangement erstreckte sich auf 16 Jahre (bis 929). Die Sicherheit bestand wiederum in einer Anweisung auf noch nicht fällige Steuern. Inter״ essant an diesem Geschäft ist sein Charakter als v e r z i n s 1 i c h e s Dar״ lehen12. Denn v. Kremier (Binnahmebudget S. 63) schreibt: ״Als Finanz״ mann machte er (‘All b. /Isa) sich dadurch bemerklich, daß er, wie es scheint, d e r erste war, der Geld auf Zinsen auf nahm; um den momen״ tanen Geldbedarf des Staates zu decken.“ (Die Sperrungen von mir.) Der Staatskredit war also noch wenig entwickelt13, Staatsanleihen selten. Die Firma J. & A. arbeitete nicht ausschließlich mit eigenem Geld. Andere ״merchants“ liehen der Firma Geld oder waren sogar bei ihr beteiligt, und zwar in erster Linie (primarely) Reli״ gionsgenossen (587), veranlaßt durch die Leistungsfähigkeit der Firma, die Tüchtigkeit und das Ansehen ihrer Inhaber, namervt״ lieh auch bei Hof (s. S. 365 Anm. 7). Mit diesen natürlich auch dem Staatskredit zugute kommenden engen Beziehungen der Firma zur jüdischen Geschäftswelt der Diaspora begründeten die Zeitgenossen die ihnen aufallend erschienene Tatsache, daß die Kalifen J. & A. bis zu ihrem Tode aus ihrer Stellung nicht entließen: ein Wechsel der ״Hofjuden“ (s. u.) wäre gegen das Interesse des Staates gewesen (585—88). Eigenartiger, ungewöhnlicher, aber auch bedenklicher waren andere Geldzuflüsse. Trotz der relativ fortgeschrittenen Finanzverwaltung — der Abbasidenstaat gilt als der erste, der ein ״Budget“ (für die Ein•״ nahmen) auf stellte — waren die finanziellen Methoden des Ka~ lifats recht merkwürdig (s. auch oben: Steuerpacht). Strafver״ fahren, die als einziges Ziel die Geldstrafe hatten (s. o.), Er״ 12 Der Zinsfuß betrug bei diesem Geschäft 30 % jährlich. — Wenn Fische] in dieser, wie er S. 582 sagt, ״gut gedeckten, langfristigen Anleihe“ ״alle Elemente einer fast modernen Banktechnik“ sieht, so kann ich ihm darin nicht beipflichten. Um nur eines zu erwähnen: es fehlt die Emission (Ausgabe von TeilschuMverschreibungen). 13 Vgl. auch v. Kremer, Einnahmebudget S. 11: ״In einer Zeit“ (die Zeit des Einnähmebudgets ist gemeint, also 918—19) ״wo man von Kredit״ Operationen des Staates keine Ahnung hatte . . .“