Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
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Die wirtschaftliche Stellung• der Juden in Bagdad im 10. Jahrhdt. 365 In den Quellen werden zwei jüdische Geschäftsleute ver״ hältmsmäßig häufig erwähnt: Josef ben Pinhas und Aharon ben 'Ämram, und zwar fast immer gemeinsam, oft mit dem Zusatz ״und ihre Erben'", ״und ihre Nachfolger'7. Mit Recht vermutet Fischei das Vorliegen einer schon im MA. häufigen, auf dem Familienverbande beruhenden Handelsgesellschaft. Die Firma — wenn wir von einer solchen reden dürfen, was streng ju״ ristisch nicht zulässig ist — war nach der Annahme Fischeis (S. 584) ursprünglich und wohl auch noch später, wenn auch nur nebenbei, eine Warenhandlung (״merchant"). Die Quellen beschäftigen sich aber nur mit ihren Finanzgeschäften (financial dealing). Wie in so vielen halbfeudalen Staaten war auch im Kalifen״ reich die Form (oder eine Form) der Steuererhebung die Steuer״ pacht, d. h. die Einnahme des Staates aus Steuern (oder einem Teil derselben) wurde an zahlungsfähige Unternehmer gegen eine pauschale Vergütung verpachtet8. Der Grund war das Fehlen einer geordneten Steuerverwaltung, daneben aber auch der Wunsch, das Odium der noch nicht als soziale Pflicht emp״ fundenen Steuern auf die Mittelsmänner abzuwälzen9. Der Steuerpächter war also eine Art Regierungskassier. Dabei 7 Fischei, S. 349 f. (Die Ziffern bedeuten im Folgenden die Seite der Fischelschen Arbeit.) — Bin Anhang in der Abhandlung Fischeis befaßt sich mit dem bekannten Ginsbergfragment von bald nach 928. Ergebnis: Netira ist der Schwiegersohn von Pinhas, Aharon sein (des P.) Socius. Die im Fragment Genannten (ben Netira und ben Aharon) werden vom Brief״ Schreiber (dem Gaon Sa'adja) als ״prominente“ Mitglieder der Bagdader Gemeinde bezeichnet, an die er sich wenden wolle, wenn der Adressat etwas mit der Regierung zu tun habe. Vgl. Graetz V4 277, Harkavy, Ne״ tira und seine Söhne (Festschr. f. A. Berliner, 1903, S. 34—43 h); Gins״ bergy Geonica (Genisa״Studies) N. Y. 1910 II S. 87. — Ihnen und ihrem Einfluß auf den Kalifen verdankte Sa'adja seine Rehabilitation als Gaon i. J. .937. (Fischei, S. 595, Anm. 4.) 8 A. v. Kr em er; Über das Einnahmebudget des Abbasidenreiches v. J. 306 H. (918—19). Wien 1887. (Auch in: Denkschriften der kais. Akad. d. W., phil.״hist.: Kl., 36. Bd., Wien 1884, S. 283 ff.), S. 15, 21. — Abdruck eines Steuerpachtvertrages, S. 65. 9 Wenig bekannt ist, daß die Mißstände der Steuerpacht J. J. Rous״ seau (nach seinen ״Bekenntnissen“) zu seinen revolutionären Schriften; mit veranlaßtem