Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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364 A. Cohen maßen abschließend: Das schmutzige Geldwechslergeschäft war und ist im Orient stets ein Erwerbszweig der Christen und Juden gewesen und geblieben. Auch die Folgen dieser Umstände, Gruppenaffekte mit ihren Begleiterscheinungen Dissociation, Diskriminierung, Repulsion trafen nicht nur die Juden, sondern auch die Christen. Denn die Judenfrage ist nur ein Teil der Minderheitenfrage5. Juden und Christen hatten gemeinsam das Schicksal der Min״ derheit zu tragen. Die Ungläubigen, sagt v. Kremer S. 168, erregten durch ihre Rührigkeit und Wohlhabenheit den Haß der herrsehenden Kaste. Es wurden Klagen laut über die Masse der nicht-mohammedanischen Bemten (Mez S. 47/8). Dies führte zu gesetzlichen Beschränkungen. Die Zulassung von Ungläubigen zu administrativen Ämtern wurde verboten. Das Verbot scheint aber nicht recht wirksam gewesen zu sein, denn es mußte erneuert werden, so oft ein neuer Kalif auf den Thron kam. Auch der Kalif Muqtadir (908—32) verbot die staatliche Anstellung von Andersgläubigen, aber bezeichnenderweise mit Ausnahme der Hofärzte und Steuereinnehmer (Mez S. 48), wie aus obigem ersichtlich, ohne Erfolg. Die Kalifen konnten eben das Spezialistentum der Christen und Juden nicht entbehren. •: n Am meisten ist unsere Kenntnis der wirtschaftlichen Lage der Juden im islamischen Kulturkreis des MA. gefördert worden durch eine Arbeit des in Jerusalem lebenden Orientalisten Fischei6. Zwar beschäftigt sich diese nur mit der Wirtschaftsgeschichte der Bagdader Juden im 10. Jahrhundert, aber gerade sie weisen jene ״Spitzenleistungen" auf, deren wir Erwähnung getan haben, und von diesen Spitzenleistungen ergießt sich ein helles Licht auf die wirtschaftliche Situation der damals im islamischen Reich lebenden Juden überhaupt. 5 A. Cohen, Die Judenfrage ein soziologisches Problem (Schmollers Jahrbuch, 42, 1918, S. 565). Dazu A. Cohen, Die Judenfrage eine Minoritätenfrage, Neue JüdL Monatshefte, 1919, S. 164. 6 The origin of banking in mediaeval Islam': a contribution; to the economic history of the Jews of Bagdad in the tenth Century. (Journal of The Royal Asiatic Society, 1933, S. 339 ff., 569 ff.) — Die von Fische! benützten, meist arabischen Quellen sind in seiner Arbeit genau angegeben.