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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 5 · p. Seite 363

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 5
Article
Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert
Date
1935-01-01
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhdt. 363 Bevor wir auf unser eigentliches Thema eingehen, wollen wir einige Bemerkungen über die gleichzeitige rechtliche und wirtschaftliche Lage der Andersgläubigen (״Ungläubigen'') überhaupt im islamischen Kulturkreis vorausschicken. Die Abbasiden zeichneten sich durch religiöse Toleranz aus, den Angehörigen der geschützten Religionen (Christen, Juden, Perser) war gesetzlich kein Beruf verschlossen1. Infolge des auch im islamischen Recht bestehenden Wucherverbotes (Verbot des verzinslichen Darlehens2) fand aber doch eine eigentümliche Berufsschichtung statt. So sagt v. Kremer3: Die G hri s te n, J u d e n u n d P e r s e r zeichneten sich durch Gewandtheit in Geld- und Finanzgeschäften aus. Mez schreibt (a. a. O. S. 35): In den einträglichsten Berufen saßen die C h r i - s t e n ü n d J u d e n sehr dicht und fest unter den Bankiers, der kaufmännischen Plutokratie, den Leinwandhändlern und Ärzten. Und doch ist eine ״Arbeitsteilung" zu beobachten. Mez fährt fort: In Syrien waren die meisten Finanzmänner Juden, die meisten Ärzte und Schreiber (wohl hauptsächlich die ausführenden Staatsbeamten gemeint) C h r i s t e n. Auch in Bagdad standen an der Spitze der christlichen Gemeinde die Hofärzte, der j ü d i s c h e n die Hofbankiers. Kremer fährt fort: Das Geldwechselgeschäft und;der Handel wurden von den Juden mit Vorliebe und Erfolg betrieben; Regierungskanzlei, Rechnungswesen, Steuerverwaltung4 fiel ganz den Christen und Per sern zu. Und an einer anderen Stelle sagt derselbe Autor (S. 167): Die Christen hatten das ganze Staatsrechnungs- und Steuerwesen4 in der Hand. Die Äußerungen der Autoren sind aber nicht eindeutig. So schreibt v. Kremer (S. 179): Erst allmählich kamen arabische Beamte in die Verwaltung; das Rechnungswesen und die Geldgeschäfte aber blieben beinähe ganz in den Händen der Christen und Juden. Und an einer späteren Stelle (S. 185) sagt v. Kremer, gewisser- 1 Mez, A., Die Renaissance des Islams, 1922, S. 35. 2 Björkmann, Kapitalentstellung־ und -Anlage im Islam (Mitt. des Sem. f. Orient. Sprachen in Berlin, 2. Abt. 1929, S. 84). 3 Kulturgeschichte des Orients unter den; Kalifen, 1875, Bd. II, S. 178. 4 Die später zu erwähnende Steuerpacht dürfte mehr zur Rubrik Finanzierung als zur Rubrik Verwaltung gehören.

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