Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830013-2839746--53620-2839780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
360 Alexander Altmann versteht in der Tat Sch.s Begriff der ״Sakralität im Blutserbe"' nur durch den Vergleich mit Barths Interpretation der christlichen Taufe, in der und durch die der Christ ״Anlaß habe, der Stimmte seines Existentialbewußt״ seins zu vertrauen', deren Symbol also den Sinn habe, den Menschen der Möglichkeit, Gottes Wort zu hören, ganz individuell zu versichern. (Dogm. S. 300.) Entsprechend bedeutet die Erwählung des ״Samens Israels' für Sch., wenn auch die Aussonderung eines Volkes, so• doch eigentlich nichts anderes als das den Einzelnen! in die Möglichkeit des! ״mittlerlosen Offen״ barungsempfangs" stellende Sakralinstitut der Synagoge. Völlig verloren erscheint hier das Bewußtsein von der konkreten Volksexistenz Israels, das hier, analog־ zum Begriff der ״Urgeschichte", in, das schemenhafte Phänomen der ״Synagoge" verflüchtigt und seiner realen Geschichtsfähigkeit zu Gunsten einer vom Synagogalen abgelösten politischen Profanität beraubt wird. Am deutlichsten zeigt sich Sch.s Abhängigkeit von. Barth! in seiner Übernahme des protestantischen; ״Schriftprinzips". Auch für ihn isoliert nur der Glaube das Gotteswort in den biblischen Schriften von! den in ihnen überlieferten Menschen Worten. ״Und der isoliert nicht, sondern be« kennt das Verborgene im Sichtbaren, hört Gottes Wort in der Hülle des Menschenwortes, hört das Wort durch die Wörter der Schrift hindurch." (S. 66 ff.). Auch für ihn steht Gottes Wort in der Schrift nicht ׳als ewige Wahrheit, sondern geschieht als Ereignis. (S. 67.) Die Folge ist, daß auch Sch. nur in dialektischer Weise den Akt des Glaubens zu bestimmen in der Lage ist. Wir bewegen uns ganz und gar in Bardischem! Milieu, wenn wir hier hören, ״daß Glaube heute nur noch dialektisch bestimmbar ist als Haben und gleichzeitiges Nicht״Haben, als Wissen und zugleich Nicht« Wissen." (S. 64.) Es ist daher auch konsequent, wenn Sch. im Bewußtsein, daß das Wort Gottes sich ״keinem Menschen — und sei er der beste Theologe — zur Verfügung gibt" (S. 5), an die jüdische Theologie die Forderung richtet, sich des Wagnisses ihrer theologischen Rede bewußt zu sein. (Ebenda.) Die oben; geführte Auseinandersetzung mit Barth enthebt der Aufgabe einer abermaligen Kontroverse. Es sei aber hinzu gefügt, daß Schoeps, bereits abgesehen von der hier in einzelnen Punkten nach« gewiesenen inhaltlichen Deckung mit der dialektischen Theologie, schon in der zentralen Fragestellung seiner theologischen Bemühung eine ver« fehlte Anlage aufweist. Alle christliche Dogmatik ist sinnvoll und notwendig, weil sie als ״die Bemühung um die Erkenntnis des rechtmäßigen Inhalts christlicher Rede" (Dogm. S. 1) die christliche Rede als die wesentliche Äußerung des christlichen Bewußtseins vorfindet oder voraus« setzen muß. Hier liegt die jüdische Situation anders. Gewiß tut auch uns Besinnung auf unsere theologischen Voraussetzungen not. Nicht aber existiert im jüdischen Bereich etwa die ״jüdische Rede", auf die eine Dogmatik reflektieren und1 die sie beim Wort nehmen könnte. Die jüdische Predigt ist nicht kirchliche Verkündigung, besitzt überhaupt keine selb« ständige theologische Funktion. (Man lese hierüber die klaren Worte bei Franz Rosenzweig, Briefe, S. 472.) Also gibt es auch keine ״Predigt der Synagoge an die Welt". Sch.s Unternehmen, die Glaubenslehren und Heils-