Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 361 (sequence 17)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung mit der ״dialektischen Theologie' 361 tatsachen der Synagoge zu explizieren, stößt also in einen, jüdisch gesehen׳, leeren Raum. Auch sein Versuch, einen Standort ״jenseits von Orthodoxie und Liberalismus“ zu finden, führt ihn, statt in die geschichtliche Sphäre hinein, in eine wirklich ״jenseitige“, ungeschichtliche Sphäre. Die dialek« tische Theologie, die, wie Koepp (Die gegenwärtige Geisteslage und die ״dialektische Theologie“, S. 69) gezeigt hat, durch den Zentralbegriff der Dialektik prinzipiell jenseits von Liberalismus und Orthodoxie steht, kann sich diese Position leisten. Handelt es sich doch für sie um die Ent״ Scheidung des Einzelnen, um die ״Gleichzeitigkeit“ im Raum der ״Ur״ geschickte“. Wie aber will man das geschichtliche Bewahren der Tora durch den Akt der Teschuwa verwirklichen, wenn man die ״Pseudo« autorität eines formalistisch erstarrten: Rituals“ und das ״V er senken in die Streitigkeiten der halachischen Gesetzeskornamentierung“ (S. 63, 4) als der konkreten Notlage unserer Glaubenslosigkeit nicht angemessen ab״ lehnt? Ist es nicht vielmehr so, daß jüdische Existenz sich weniger durch. die Predigt an die Welt als durch das nach innen gewandte Leben unter dem Gesetz der Tora dokumentiert? Alle Dogmatik geschieht um! der Sichtbarmachung des Glaubens willen-17. Daher hat die Kirche ihre Dogmatik. Das Judentum kennt die Sichtbarwerdung heute nur noch als eschatologischen! Begriff — die Wiedererrichtung von Tempel und Dienst ist deren Wirklichkeit —, es kennt daher auch die Rede an die Welt und damit die Dogmatik nur als ein Eschaton. Das Wort an die Welt ist uns bis dahin nicht verfügbar. Verfügbar aber ist uns Gottes Wort an uns, nämlich: es zu tun. Die wirtschaftliche Stellung der Juden in Bagdad im 10. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Frage des historischen Anteils der Juden am Wirtschaftsleben. Von A. Cohen (München). ■' L' ' Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in den Ländern des islamischen Weltreiches wußten wir bisher wenig, besonders im Vergleich mit unseren Kenntnissen ihres Kulturzustandes. In den letzten Jahrzehnten ist darin eine erfreuliche Besserung eingetreten: infolge der Funde in der Genisa in Kairo und durch Herausgabe bisher unveröffentlichter Werke arä~ bischer Geschichtsschreiber, die zugleich hohe Staatsbeamte waren und daher einen tiefen Einblick tun konnten in die poli« tischen und wirtschaftlichen Zustände ihrer Zeit. 17 Vgl, hierzu meine Schrift ״Was ist jüd. Theologie?“, S. 27 ff. Monatsschrift, 79. Jahrgang 24