Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 15)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung־ mit der ״dialektischen Theologie"' 359 Barth״Schüler Hans Joachim Schoeps16 zu bezeichnen. Es ist keine Frage, wir können von Barth viel lernen. Die Strenge, mit der hieif die Theologie zu sich selbst zurückgerufen wird, damit sie wieder in die Lage komme, anstatt ewiger Defensive ihr ״Wächteramt"" (D'ogm. S. 383) zu üben und ihr nur von ihr zu sprechendes Wort an die zeitlichen Geistesmächte zu richten, spricht auch uns ins Gewissen. Aber so notwendig es ist, daß auch jüdische Theologie sich auf ihr Wesen besinne und ihres eigenen! Sinns sich vergewissere, umso notwendiger ist es, daß sie sich ihres eigenen Sinns, und nicht etwa des christlichen, mag er auch ein theologischer sein, vergewissere. Von Schoeps ist nun zu sagen, daß er in vollkommen! naiver Weise das Begriffsgerüst der dialektischen Theologie für das Judentum einfach übernimmt. Seine ״Prolegomena zur Grundlegung einer systema״ tischen Theologie des Judentums"" decken sich in ihrer Struktur bis hinein in die: Terminologie und deren! Pathos mit Barths ״Prolegomena zur christ״ liehen Dogmatik'". Auch für ihn bedeutet die theologische ״Entscheidung"" das restlose Herausnehmen׳ der Theologie aus der, Geistesgeschichte, die ״totale Umkehr der heutigen Existenz um 180 Grad"", die radikale Absage an den Idealismus. (Jüdischer Glaube, S. 63, 89.) Aber auch hier erklärt sich dieser Protest aus der These vom ״Widerspruch"". Die Dialektik des ״qualitativen Unterschieds von Zeit und Ewigkeit"" wird mit Berufung auf Kierkegaard und S. L. Steinheim als die theologische Grundsituation be״ hauptet (ebenda S. 7, 8). Gewiß sucht Sch. die jüdische Schöpfungslehre, die sich, wie oben gezeigt, mit dem dialektischen Schema keineswegs verträgt, mit dem heterogenen Schema zu vereinigen. Er setzt daher an die Stelle des christlichen vollzogenen Sündenfalls ein Analogon, den ״Abfall"", durch den die Schöpfungsqualität bedroht wird. (Ebenda S. 3.) Es braucht nicht gesagt zu werden, daß für das jüdische Bewußtsein die Schöpfungsqualität als solche niemals verlierbar ist, daß daher der durch und durch apokalyptische Satz: ״Die Synagoge hat, genau so wie die Kirche, den Auftrag, in ihrer Predigt an die Welt zur Geltung zu bringen, daß Gott der Herr ist und daß die Welt, die sich seinem Herrschaftsanspruch entzieht, dem Gericht verfällt"", einen für jüdische Ohren׳ falschen Ton hat. Das gilt schon in Hinsicht der für Sch. typischen Ausdrucksweise ״genau so wie die Kirche"" (vgl. auch S. 3), die den Wesensunterschied zwischen Kirche und Volk Israel nicht genügend beachtet. Sch. sagt ausdrücklich: ״Das Phänomen ,Am kaudesch" (?) ist nur dann zu verstehen, wenn man es wesenhaft als Analogon zu den christlichen Kirchen versteht."" (S. 75.) Man 18 H. J. Schoeps, Jüdischer Glaube in dieser Zeit, Prolegomena zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums, Berlin 1932. Auf die sonstigen Veröffentlichungen Schoeps", die aus gleicher theolo״ gischer Haltung heraus sprechen, sei hier nicht besonders eingegangen. Seine ״Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit"‘ (Berlin 1935) versucht ״einen historischen Beitrag zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums in heutiger Form."" (S3 .׳.) Als historische Arbeit fällt sie nicht unter den hier zu behandelnden Gegenstand.