Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung‘ mit der ״dialektischen Theologie“ 357 Verbalinspiration ist vom christologischen Standort her nicht nur zu begreifen, sondern als notwendig einzusehen. In einer kurzen Formel gesagt: Ist Jes. Chr. die Offenbarung, so kann die Bibel nur Bezeugung dieser in menschlicher Existenz redenden Offenbarung sein. An der Offenbarungsqualität der Bibel im Sinne der Offenbartheit, bezw. der Verbalinspiration ist dann nicht nur nichts gelegen, sondern sie wäre abzulehnen, weil eben Offenbarung als menschliches Du, in menschlicher Gestalt zum Christen spricht. Für uns Juden aber ist die Bibel nicht bloße Weissagungsgeschichte, sondern in erster Reihe Gesetz, Lehre, Tora, neben der und über der es keine fleischliche Offenbarung gibt . Das Gesetz aber kann nur von Gott selbst gesagt werden. Daher muß das Wort des Gesetzes selbst göttlich sein, und zwar konkret und wirklich als Wort. Denn wie könnten wir das Gesetz uns selbst sagen? Das Wort des Gesetzes bezeugt uns nicht eine in ihm gemeinte, durch es hindurch transparente Offenbarung, noch weniger kann es seinem Wesen nach als Er״ zeugnis eines mythischen Gedächtnisses, das ja immer nur Geschehnisse, nicht Gebote auf bewahren könnte, gedeutet werden, sondern ist eben das Gott selbst entquellende Gesetz, das ganz eigentlich und unsymbolisch, in seiner ganzen worthaften Prä״ gung göttliche Würde besitzt. Man muß klar sehen, daß die Lehre von der Verbalinspiration keine orthodoxe Schrulle und kein atavistischer Rest ist, sondern die notwendige Konsequenz der jüdischen Auffassung von Offenbarung, die eben nicht eine Offenbarung des Verborgenen, keine ajtoxdÄinJng, keine dialek״ tisch-kritische Entscheidung für das Hören eines im mensch״ liehen Wort redenden Gottes oder Logos meint, sondern Tora. Hie sola fides, hie Tun des Gesetzes. . Soll aber das Gesetz getan werden, so kann es nicht in der Labilität der Entscheidung gegeben sein. Entscheidung ist punkthaft, Tun ist Erstreckung in die Zeit, ist Weg. Das Gesetz muß daher präsent sein. Nicht existentiale Erschütterung, son״ dem existentiales Vertrautsein fordert das Gehen und Stehen und Sitzen im Bereich der Tora. Bei Barth mag die offen״ barungsbezügliche Haltung sich in der Leistung der Erschütte״ rung, der Bereitschaft, der Entscheidung ausdrücken, für uns drückt sie sich wesensmäßig in der Kontinuität des toragemäßen