Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 12)
- Language
- German
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356 Alexander Altmann geschieht nicht im leeren, durch historische Feststellungen oder Vermutungen erst zu füllenden und zu belebenden Raum hinter der Bibel. Sie geschieht im Zeugnis von ihr. Sie geschieht in der Bibel/' (Dogm. S. 344.) Umso schärfer muß er von seinen theologischen Voraussetzungen, denen der Christologie her, die absolute Behauptung der Verbalinspiration ablehnen. ״Nicht menschliche Irrtumslosigkeit oder sonstige Vortrefflichkeit, die dann für seine göttliche Wahrheit direkten Beweis ablegen würde, macht diese Zeugnisse zum Zeugnis Gottes selbst, sondern das Licht göttlicher Wahrheit, das hier in den Zeugnissen irrender und nur teilweise vortrefflicher Menschen leuchtet. Das ist nun zu sagen gegen die allen Reformatoren, auch Calvin, unbekannte Verbalinspirationslehre des siebzehnten Jahrhunderts, die anstelle der von Menschen in menschlicher Bedingtheit vollzogenen Konzeption des biblischen Zeugnisses ein himmlisches Diktat setzen wollte/' (Dogm. S. 345.) Barth nimmt die Offenbarung ganz aus der Geschichte heraus, um den Historismus überwinden ^u können. ״Die christliche Kirche und Theologie muß es in Konsequenz ihrer eigensten Voraussetzungen wagen, den Historismus zu Ende sagen zu lassen, was er zu den biblischen Texten mit Fug und Recht zu sagen hat, um dann auf eigenen Füßen gehend, das Andere, das ganz Andere, erst recht zu sagen, was sie nach wie vor, nein, neu wie am ersten Tag zu sagen hat: daß sie hier nicht nur mehr oder weniger fromme Menschen, sondern Gottes eigene Stimme hört." (Dogm. S. 346.) Ohne Akt der Entscheidung ist daher Offenbarung auch in der Schrift nicht wahrzunehmen. Hierin stimmt die gesamte Gruppe der dialektischen Theologen überein, und von hier aus ist das Bemühen der sogenannten ״pneumatischen Exegese" (Girgensohn, Barth, Bultmann u. a.) zu verstehen. Die existentielle Entscheidung, das Wagnis allein läßt uns die Stimme Gottes in der Schrift vernehmen. Hier gründet das Moment der ״Heutigkeit" der Schrift, ihre Bedeutung ״für mich". Die Offenbart-heit der Schrift würde, meint Barth, aus ihr ein trockenes ״Orakelbuch" machen, die geschehende Offenbarung, die der Akt der Entscheidung konstituiert, macht sie zum Wort Gottes für mich heute. (Dogm. S. 359 ff.) Die hier ausgesprochene Ablehnung der Lehre von der