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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 5 · p. Seite 355

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 5
Article
Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
Date
1935-01-01
Page
Seite 355 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Zur Auseinandersetzung mit der ״dialektischen Theologie“ 355 Auseinandersetzung Barths mit der römisch-katholischen Ansicht, die Nichtverfügbarkeit des Wortes Gottes. Die Kirche darf sich nicht, indem sie ecclesia docens ist, zugleich als vox loquentis dei betrachten. (Dogm. S. 348.) Die Kirche setzt die Offenbarung nicht fort, sie hat nicht die Schlüssel des Himmelreichs in Händen. Sie ist nicht irrtumslos, sie kann auch die einmalig geschehene Offenbarung nicht in der Weise geschichtlich-kontinuierlicher Tradition einfach weitergeben, sondern sie hat immer von neuem durch die Krisis hindurch und in ihr die Entscheidung zu fällen, die sie mit der urgeschichtlichen Offenbarung gleichzeitig macht. In diesem Bewußtsein der menschlichen Fallibilität gründet das protestantische Schriftprinzip, das gegen den Anspruch des Papsttums die Kirche aus der Selbstsicherheit einer über die Offenbarung verfügenden Heilsanstalt wieder unter die Schrift stellen will ״als unter den Ort, wo die Entscheidung fällt und immer‘ wieder fallen muß, die die Kirche als die wahre Kirche bewährt, eine Bewährung, die gerade die wahre Kirche nicht entbehren wollen, der sie sich nicht mit der Arroganz der Papstkirche entziehen wollen kann"'. (Dogm. S. 349.) Das Schriftprinzip besagt also die Dialektik von Kirche und Offenbarung, die Nicht-Unmittelbarkeit der Kirche zur Offenbarung, nicht besagt es aber in irgendeiner Weise die Statuierung der heiligen Schrift als Offenbarung. Offenbarung ist und bleibt für Barth das einmalige Geschehen der Fleischwerdung des Logos. Die Bibel, d. h. das prophetisch-apostolische Zeugnis, ist nur die Weissagung und Bekundung dieses Geschehens. ״Die biblischen Texte wollen eben als Zeugnisse nicht Gottes Wort sein, sondern wie Jes. Chr. selbst als solches zu uns reden und von uns gehört werden, entdeckt werden und sich zu entdecken geben.“ (Dom. S. 345.) Barth gesteht der Lehre von der Verbalinspiration nur ein relatives Recht zu: ״Die Texte gehen uns als Theologen nicht als ,Quellen" zur Erkenntnis irgendeines außerhalb ihrer selbst ausfindig zu machenden Gegenstandes an, sondern um ihrer selbst willen, als das Zeugnis,, daß sie sein wollen und sind. Kurz formuliert: Die Wirklichkeit der Offenbarung ist indirekt identisch mit der Wirklichkeit der Bibel. Indirekt: wir wissen, daß die Bibel eines ist und die Offenbarung ein anderes. Aber identisch: die Offenbarung

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