Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 10)
- Language
- German
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354 Alexander Altmann vor der Geschichte gefallen, der Weg, das Tun steht bevor. Und zwar, der geschichtliche Weg, das geschichtliche Tun. Es ist gar nicht anders möglich, eben deshalb weil ein Volk mit seinem gesamten biologischen und geistigen Hab und Gut, eine leibhaftige Volkswirklichkeit und wahrlich keine Engelschar, sondern ein Volk ״mit steifem Nacken"', durchaus alles andere als eine Genossenschaft von Heiligen, durch die Geschichte dieser Welt hindurchgeführt und hindurchgeläutert werden muß. Hier ist ein Ausweichen in eine Kirche nicht möglich14. Aber auch der Weg in die Profanität der Weltvölker, in die unbe״ schränkte Geschichtsmöglichkeit ist verschlossen. Israel steht in der Geschichte und zugleich über der Geschichte. Es steht als Israel in beidem, während die Kirche qua Kirche nur jenseits der Geschichte steht. Es lebt — symbolisiert in seinem Ka״ lender — zwei Jahresläufte, und zwar beide als Israel. Es darf sich weder säkularisieren noch verkirchlichen. Sein geschieht״ lieber Weg kann durch keine präjudizierende Idee theologisch festgelegt werden, es bleibt geschichtsfähiges Volk, so wie es ״Israel" als übergeschichtliche Daseinsordnung im Rahmen der Heiligkeit der urgeschichtlichen Entscheidung bleiben muß. Ur״ geschichte heißt hier ein für allemal eindeutige Wegrichtung. Sie überwindet nicht und zerbricht nicht die Zeitlichkeit durch eine transzendente Sinngebung, sie stiftet vielmehr, gerade sie, die Kategorie der geschichtlichen Zeit, das Nacheinander von Begegnung, Abfall, Strafe, Galut, Verheißung, messianischer Zeit. Die prophetische Versöhnungsbotschaft, ist sinnvoll erst auf dem Hintergrund des Strafgeschehens — die Aufeinander״ folge von Schabbat Chason und Schabbat Nachmu ist nicht um״ tauschbar —, das Strafgeschehen wiederum erwächst aus der Verkündung der Tochächa, diese folgt aus dem Bund Gottes mit Israel. Erst Berit, dann Krisis und dann Versöhnung. Die Barthsche Theologie kennt als Anfang und Ende ihres theolo״ gischen Bewußtseins nur die Krisis. 4. Das ״Schriftprinzip". (Dogm. § 4 u. 20.) Das Prinzip der Krisis besagt, und hier vollzieht sich die 14 Vgl. hierzu den. Aufsatz des Verfassers ״Erneuerung des San״ hedrin?“ im Isr. Farn. Blatt vom 7. 2. 1935 (37/6).