Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung mit der ״dialektischen Theologie“ 353 barung genügend gewahrt. Mit einem Schlage erhellt sich der geistesgeschichtliche Zusammenhang von griechischer Philosophie und dogmatischer Christologie, von platonischer Idee und phiionischem Logos. Nicht zufällig! ist die christliche Dogmatik vorwiegend auf Metaphysik gerichtet. Das biblische ״Wort Gottes" ist hier in den Aöyog deoü umgebogen und in seiner Sinnstruktur völlig verändert. Es darf nicht übersehen werden, daß der phiionische Logos auf griechischem, nicht auf biblischem Boden gewachsen ist13. Die Entscheidung, die den Menschen nach Barth in die urgeschichtliche Genossenschaft hineinstellt, ist also Entscheidung für einen Sinn, eine Idee, prinzipiell transzendierende, apokalyptische Haltung. Die wirkliehe Geschichte kann von dieser Haltung nicht unmittelbar berührt werden. Damit ist bereits der jüdische Stand in der Frage Umrissen. Gewiß lehrt auch die talmudische Interpretation der sianitischen Offenbarung eine im Raum der Urgeschichte vorhandene ״Gleichzeitigkeit". Alle jüdischen Seelen und Seelen künftiger Proselyten haben am Sinai gestanden (b. Sehewuot 39a, b. Schabbat 146a). Aber, wohlgemerkt, diese Gleichzeitigkeit erfolgt nicht durch ein Überschreiten der diesseitigen Wirklichkeit in einen geschichtsfremden Raum hinein, sondern ist eine solche der Seelen in der Präexistenz. Ihr Analogon ist die Gleichzeitigkeit der Gerechten aller Geschlechter in der wirklichen kommenden Welt. Die Geschichte selbst bleibt rein und unabgewertet, unüberschritten Geschichte, undurchsetzt und frei von Urgeschichte. Die Gleichzeitigkeit der die Tora beschwörenden Gemeinde Israels in der Präexistenz der' Urgeschichte mag platonisch anklingen, sie besagt aber ihrem Sinn nach nicht das Teilhaben an einer Erkenntnis, nicht die Zeugenschaft einer geschehenden Sinngebung, keine Entscheidüng für eine Idee als das Urbild der Geschichte, sondern das Eingeschworensein auf einen Weg, einen geschichtlichen Weg. Die Richtung der Geschichte wird hier festgelegt, nicht der Schritt in die Urgeschichte vollzogen. Die ״Entscheidung" ist damit eo ipso gefallen, 13 Vgl. Leopold Cohn, Zur Lehre vom Logos bei Philo, Festschrift f. H. Cohen, S. 303 ff.