Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung mit der ״dialektischen Theologie“ 351 Mythus sein. Gerade die Gottmenschlichkeit des als Offenbarung bezeugten Ereignisses legt es außerordentlich nahe, es, um es als geschichtlich zu begreifen, so zu deuten. Nur im Konkretum der Urgeschichte, in der Einheit des Aktes der gesprochenen und vernommenen göttlichen Rede mit dem geschichtlichen Ereignis ist die Geschichte Offenbarung.‘‘" (Dogm. S. 237.) Nur in einem besonderen pneumatischen Akt des Vernehmens wird also der Anruf Gottes erfahren, der in menschlicher Sprache, und nur in ihr, zu uns redet. Die Entscheidung, die gefordert wird, konkretisiert sich also in dem gläubigen Hinblicken auf die ״Urgeschichte“ in der Geschichte. Gerade weil ״es sich nicht von selbst versteht, daß dies der Fall ist“ (Dogm. S. 231), daß nämlich Offenbarung in der Geschichte statthabe, ja weil dies das eigentliche Ärgernis, das Paradoxon ist, erfordert die Wirklichkeit solcher Anrede, also die urgeschichtliche Offenbarung, einen Akt der Entscheidung, eben den der Anerkennung des Paradoxon. Die biblischen Quellen sind für Barth die geschichtlichen Bezeugungen dieses Urgeschichtlichen. In den prophetischen und apostolischen Schriften sei die Offenbarung geweissagt und bezeugt. So ist außer dem einmaligen Offenbarungsereignis der Urgeschichte auch die übrige Geschichte durchsetzt von einem Geschehen, das urgeschichtliche Dignität, wenn auch zweiten Grades, besitzt, von der Weissagungsgeschichte. Nicht als ob damit die Geschichte selbst qualifiziert würde, es handelt sich vielmehr um die Zusammen- Schließung alles auf die Urgeschichte Bezogenen zu einem Reich, das eben nicht von dieser Welt ist, um, die Verselbständigung der Kirchengeschichte zur allein sinnerfüllten Geschichte. Diese Weissagungsgeschichte hat darin ihr ungeschichtliches, dafür aber urgeschichtliches Signum, daß in ihr die Kategorie der Zeit ausgeschaltet ist. Die Zeitlichkeit wird hier dadurch der Ewigkeit geopfert (was ja die sinnvolle Bedingung ihrer Urgeschichtlichkeit darstellt), daß in ihr prinzipiell die ״Gleichzeitgkeit“ (Dogm. S. 238 ff., 350 ff.) aller Glieder gegeben ist. Nicht die zeitliche Abfolge im Bild der geraden Linie, sondern die Gleichzeitigkeit im Bild des Kreises, dessen Peripherie an jedem Punkte in gleicher Weise auf den Mittel-